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Sprachspiel, das eine immer noch bestehende Affinität zu einer
undemokratischen Haltung verrät, und dann an einem methodi
schen Ansatz, der die Blindheit der Autoren gegenüber den dia
lektischen Beziehungen von Kunst, Wissenschaft und Gesell
schaft dokumentiert. Sie offenbart sich in einer systemimmanen
ten Kritik, die sich aus mangelnder Selbstreflexion nicht
ihres eigenen Standorts und ihrer einseitigen Perspektive be
wußt ist, da sie methodologisch nicht als solche kenntlich ge
macht wird. Das geht einher mit einem völligen Mangel an
Ideologiekritik, ohne die man diesem Phänomen nur schwer bei
kommen kann. Angegriffen werden daher allein die Verfehlun
gen im ethisch-moralischen Bereich. Das Phänomen des deut
schen Faschismus wird damit auf sittliche Korruption redu
ziert. Es werden nur sog. Übersteigerungen gebrandmarkt und
dadurch suggeriert, daß etwas im Kern Richtiges vorhanden war
und nur übers Ziel hinausschoß. Diese Einschränkung auf Kritik
an menschlichen Verhaltensweisen in einer Diktatur führt
schließlich zur Rechtfertigung von Handlungen, die zwar mensch
lich zu verstehen sind, deren Beispiele aber zu leicht den
Blick verstellen und die Problematik verkürzen, aber nicht zur
Erhellung des Systems und seiner Ursachen beitragen. So dient
die als geschickt und raffiniert apostrophierte Propaganda des
Dr. J. Goebbels, dem man nie das Attribut großer Intelligenz
verweigert, als willkommene Entschuldigung, sich als unschul
diges Opfer eines Klügeren zu betrachten, dem noch bedeutendere
Geister als man selbst ins Garn gegangen sind.
Die Thematik Film und Propaganda ist bisher als einzige aus
führlich behandelt worden und in vielen kleinen Arbeiten sowie
Seminaren und TV-Beitragen zum Gegenstand der Diskussion ge-
1 In einer 12teiligen Sendefolge in den III. Programmen der
Ferasehanstalten im Jahre 1969 zeigte G. Schoenbemer an
verschiedenen Themen, wie NS-Propaganda inhaltlich -und mit
formal-filmischen Mitteln in die Filme einging. Vgl. dazu
auch S. 125 Anm. - In einer zweimal im ARD-Fernsehen im Jahre
1968 ausgestrahlten Abendsendung nahm sich E. Leiser dieses
Themas an und veröffentlichte den erweiterten Kommentar als
rororo-Taschenbuch. - Der 1964 vom "Atlas"-Filmverleih bear
beitete Film "Kolberg" ist hier ebenso zu nennen wie eine
Fernsehsendung im ZDF zu diesem Film von Raimond Ruehl.-Die

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