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logie bezeichnet ein gesellschaftliches Engagement der
Aussage, nicht notwendig des Aussagenden [d. h., ob dem
Betrachter der ideologische Charakter seiner Aussage be
wußt ist, bleibt von untergeordneter Bedeutung.] [...]
Natürlich müssen Ideologien geglaubt werden; wenn nicht
von Ihren Trägern selbst, so jedenfalls von den Ideolo-
gie-Unterworfenen. [...] sie sind eine Form der Über
mächtigung des Bewußtseins. [...] ihre Träger sind da
her die jeweils herrschenden Teile der Gesellschaft,
nicht die beherrschten. [...] Die Untergruppen [...]
entwickeln innerhalb der allgemeinen Ideologie ihre
Partial-, Standes-, Kastenideologien usw. [...] Die
ideologische Tendenz mancher [...] künstlerischen [...]
Äußerungen ist oft nur analytisch zu erschließen. Über
haupt ist, erkenntnistheoretisch betrachtet, ein ten
denziöses Urteil seinem Inhalt nach nicht von der Qua
lität einer ideologischen, sondern vielmehr einer un
zutreffenden Aussage. Ein unrichtiges Urteil wird als
Ideologie erst erwiesen durch die Beziehung, in welche
das Urteil (oder dessen Konsequenzen) zu seinen Trägern
und deren Interessen gebracht wird [...]. So wenig wie
die Beziehung von Fehlurteil und Interesse zumeist of
fen zutage liegt, so wenig sind auch die Träger von
Ideologien in aller Hegel als bewußte Wahrheitsfälscher
anzusehen; sie sind in gewisser Weise selbst Opfer[...]
gleichzeitig Nutznießer. [...] Ideologie und Wissen
schaft [...] schließen einander aus. Ideologie tritt
affirmativ auf, Wissenschaft ist methodisierter Zweifel.
Wo Ideologien herrschen, wird Wissenschaftlichkeit zum
gesellschaftlichen Oppositionsprinzip."1
Hofmann nennt folgende Bedingungen, die notwendig für
einen gerechtfertigten Ideologieverdacht bei einer Untersu
chung berücksichtigt werden müssen:
"Alle Einsicht nun (und daher auch der Grad jeweiliger
Vermeidbarkeit von Irrtum) ist elementar bestimmt
1.) durch die geschichtliche Entfaltung und 'Reife',
die der Erkenntnisgegenstand gewonnen hat; 2.) durch
den gleichfalls historisch gegebenen Stand der Erkennt
nismittel, [...] die ganze Summe der bereits vorliegen
den Einsichten, die jeweils in den Erkenntnisprozeß ein-
gehen sowie die methodische Höhe des Denkens." (52)
"Eine fehlerhafte Auffassung der Wirklichkeit, die aus
der historischen Begrenzung des Objekts oder der Mittel
der Einsicht entspringt, ist von der Art des Irrtums,
noch nicht der Ideologie." (5^0
1 W. Hofmann, Wissenschaft und Ideologie, S. 5^ ff

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