"Ebenso wie die Kunst Menschen, so formt die Politik
Völker und Nationen. [...] und ich glaube, es gibt des
halb keine größere Kunst als die, aus dem Urstoff einer
turbulenten breiten Millionenmasse nun eine Nation zu
gestalten. [...] Ich glaube, damit ist die Politik kein
spezifisches Handwerk, sondern nichts anderes als die
Kunst der Völkerformung.^Damit berühren sich die Gebiete
Künstler und Politiker."
Die Analyse, der die Texte in dieser Arbeit unterzogen
werden, wird dabei die Stellen, an denen sich die Filmästhe
tik von der Ideologie des Nationalsozialismus bestimmt sieht,
anmerken. Es kommen nämlich bei dem Versuch der NS-Autoren,
den Film, der bis dahin in weiten Kreisen des Bildungsbürger
tums noch keine kulturelle Heimstatt gefunden hatte, als
Kunst zu etablieren und ihm eine theoretische Grundlage zu
schaffen, eine Reihe signifikanter Züge des NS-Denkens zum
Vorschein, die einzeln auch Nichtnationalsozialisten durchaus
zu eigen sein können und zeigen, wie bestimmte Haltungen der
deutschen Intelligenz die theoretische Begründung mitberei
ten half , die alle aber darin ihre Gemeinsamkeit haben,daß
sie tendenziell inhuman und aufklärungsfeindlich sind. Als
Faktoren in diesem Herrschaftssystem funktionieren sie ins
gesamt im Sinne der NS-Ideologie. Daher ist ein Ziel dieser
Untersuchung, jeweils aufzuzeigen, inwieweit die im dramatur
gischen Modell angeführten Gedanken zur Ästhetik bis hin zu
den einzelnen Gestaltungselementen im Herrschaftsgefüge des
NS-Staats ideologisch wirksam werden können. - Der Ideologie
begriff, von dem ich mich dabei leiten lasse, ist bestimmt von
den Arbeiten K.-O. Apels zu seinem wissenschaftstheoretischen
Modell und dem von W. Hofmann vorgeschlagenen Gebrauch dieses
Begriffs. Etwas verkürzt wiedergegeben kann gesagt werden:
"Ideologie soll verstanden werden als gesellschaftliche
Rechtfertigungslehre. Ideologische Urteile wollen so
ziale Gegebenheiten absichern, legitimieren, aufwerten
[...],an deren Entstehen, Verbreitung und Bewahrung sich
gesellschaftliche Interessen [...] knüpfen. [...] Ideo-
1 J. Goebbels, Rede, JbRFK 37» S. 82 f.; vgl. dazu auch
Goebbels' Tagebucheintragung vom 10.5* 19^-3 (zit. bei
G. Albrecht, Filmpolitik, S. $4).

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