280
zwungene Gemeinschaft zu leisten vermag. Zu diesem Zweck
werden im Film Thematik und Einzelmotive der zugrunde liegen
den Novelle weitgehend geändert. Hauke Haien wird von einem
Menschen, der in der Novelle nur in eigenem Interesse han-
delt, zu jenem uneigennützigen Helden umfunktioniert, dem
es um das zukunftweisende Werk der "Lebensraumgewinnung"
geht.
Läßt sich eine Vergröberung der Hotivik einmal aus der
Dramatisierung der Novelle erklären, so scheint sie hier doch
zugleich der didaktischen Intention im Sinne der Ideologie zu
dienen: Der Idealgestalt des Helden und seiner Frau wird im
Film in kraß moralisierender Weise das Kontrastpaar Oie Peters-
Vollina gegenübergestellt. Da die Dialoge wörtlich der Vorlage J
p
entnommen sind, und diese nicht auf simpler Kontrastierung
aufgebaut ist, wird die Gegensätzlichkeit allein durch for
male Mittel ausgedrückt. Ohne ihre Analyse ist der Film nicht
hinreichend zu verstehen. Parallel zu den Einstellungen von
Hauke/Elke werden die von Ole/Vollina montiert. Durch Kamera
standpunkt und Auswahl der Personen kommt dies gleichermaßen
zum Ausdruck. Hauke und Elke sind blond, verschlossen, herb -
Oie und Vollina dunkel und derb. Das Hochzeitsaufgebot beider
ist in einer Titeltafel zusammengesetzt, die Haukes Frau als
"Jungfer Elke" ausweist, während zuvor Vollina, die in der
Novelle lediglich durch ihr unvorteilhaftes Äußere gekenn
zeichnet ist, als gutaussehendes Dorfflittchen eingeführt wur
de. Während Hauke als Held stets (bis auf eine Aufnahme am An
fang) von unten aufgenommen wird, erscheint Oie demgegenüber
4.
in allen Parallelmontagen mit Hauke in der Draufsicht.
1 Es findet sich in der Erzählung von Storm kein Hinweis da
für, daß Hauke Haien den Deichbau nur zur Landgewinnung be
treibt. Neben der Absicht, das Land zu schützen, will er
sich von dem Makel befreien, nur "um seines Weibes willen
Deichgraf geworden" zu sein.
2 Die einzige Abweichung im Text habe ich auf S. 260
5 Vgl. Tafel XV.
4 Vgl. Tafel IV, X, XI, XII.
zitiert

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.