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Eine der bevorzugten Gestalten in den Filmen zur Zeit des
Dritten Reichs ist das "dickköpfig seine These verfechtende
und von der Richtigkeit seiner Sendung besessene Genie",^das
gegen den Unverstand seiner rückständigen Umwelt kämpft. Da
es stets historische Persönlichkeiten waren, deren Handeln
von der Geschichte nachträglich legitimiert erschien, gestat
tete die in diesen Filmen stereotyp gebotene Interpretation
dieser Gestalten dem Zuschauer die Distanzierung von jener
rückständigen Gesellschaft im stolzen Bewußtsein, selbst fort
schrittlich zu sein, und den Parteiführern, diese Rolle für
sich selbst zu beanspruchen. Wie für andere Handlungsträger
gilt auch hier, daß in der Filmdramaturgie diese Figur nicht
berücksichtigt wird. Man ist darauf angewiesen, die dieses
Thema behandelnden Werke zu analysieren oder bleibt auf die
spärlichen Äußerungen der Kritik verwiesen. Es ist daher nicht
möglich, ohne Kenntnis einer großen Anzahl dieser Filme ein
differenziertes Bild zu entwerfen. Es genügt nicht, die even
tuell vorhandenen Drehbücher zu Rate zu ziehen, da die Aus
prägung dieser Gestalt untrennbar mit ihrer bildlichen Reali
sierung verbunden ist. Die Bildregie setzt oft die entschei
denden Akzente. Als Beispiel dafür mag die Verfilmung der
Storm-Novelle "Der Schimmelreiter" von Gurt Oertel aus dem
Jahre 1933 ^ gelten.
Die Hauptperson, Hauke Haien, ist der Typ des ideal gesinn
ten, über seine Zeit seherisch hinausweisenden, mit Führerqua-
litäten ausgestätteten Helden, der persönlich an einer rück
ständigen Gesellschaft scheitert, dessen Werk aber über seinen
Tod hinaus davon Kunde gibt, was eine unter einen Willen ge-
1 Koch/Braune, Von deutscher Filmkunst, Berlin 19^3, o.S.-
Diese Äußerung bezieht sich auf den Robert-Koch-Film, gilt
aber ebenso für die Filme "Bismarck", "Schiller", "Fridericus
Rex" u. a. Vgl. dazu R. Keudel, Das Genie als Filmgestalt,
Nat.-soz. Monatshefte, 12. Jg., 19^1» S. 79 f»
2 Die Uraufführung fand im Januar 193^ statt. Vgl. A. Bauer,
Deutscher Spielfilm-Almanach 1929 - 1950» Berlin 1950.

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