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"Der Filmschauspieler ist wie der Mensch im Roman Teil epi
scher Beschreibung"i er ist "nicht Beschreiber, sondern ein
Beschriebener." - Damit hat der Filmschauspieler letztlich
die Funktion eines Requisits übernommen, die ihm schon Arn-
heim“" zugeschrieben hatte. — Aber auch noch eine andere Über
legung bestärkt diese Ansicht. Da "beim Film primär nicht so
sehr die Kunst der schauspielerischen Gestaltung als vielmehr
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die Darstellung des persönlichen Typus zur Debatte"^ stehe,
wird auf sorgfältige Auswahl der Darsteller und überlegte Ver
teilung der Rollen nach Gesichtspunkten der äußeren Gestalt
Wert gelegt. Es hieß, daß "nicht nur die Erkenntnis der neueren
Psychologie,sondern auch tiefbegründete alte Volksweisheit auf
die Entsprechungen von Charakter und äußerem Erscheinungsbild
hinweisen." Diese Typisierung mochte im Stummfilm angemessen
gewesen sein und herrscht auch heute noch in Werken vor, die
zur Mythisierung der Gestalten neigen (Western, Gangsterfilm),
sie ist aber zumindest seit Beginn der Tonfilmzeit, als die
Möglichkeit zur differenzierteren Gestaltung der Charaktere be
stand, problematisch geworden. Der Auffassung, daß "Reaktion
und Sich-Geben eines realen Menschen [...], sowohl im privaten
wie im differenzierten Leben sehr einfach"^ sind, kommt dieser
angestrebten Typik in der Verwendung der Schauspieler im Film
sehr nahe. Darstellungsweise und ideologische Forderung treffen
sich hier beide in der Reduktion des Menschen auf archaische
Verhaltensweisen, die jeglicher Differenzierung entbehren.
1 H. Koch, Hamburger Arbeitsgemeinschaft vom 4.2.1940.
2 Arnheim, Rudolf, Film als Kunst, Berlin 1932.
3 F. Hippier, Betrachtungen zum Filmschaffen, S. 60.
4 Ders., ebd.
5 Ders., ebd., S. 16.

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