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Anonymität zurückzuziehen habe. Ist das bei einem mittel
alterlichen Dom zumindest zu verstehen und bei den übrigen
angeführten Kunstwerken kulturgeschichtlich zu erklären, so
läßt sich das gleiche Postulat doch auf keinen Pall bei
einem Pilm rechtfertigen, der in einem kapitalistischen Staat
produziert und verliehen wird. Die Forderung nach Kollektiver»
beit unter dem Hinweis auf die mittelalterliche Bauhütte zeigt
sich hier als ideologische Verdeckung berechtigter persönli
cher Interessen der Künstler, solange nicht die Produktions
und Verwertungsbedingungen für diese Kollektivarbeit geschaf
fen waren, sondern die gleichen MarktVerhältnisse herrschten
wie vor der Proklamierung dieser Arbeitsweise. In ein Dilemma
kommt Müller daher bei den folgenden Sätzen, die sich direkt
an den oben zitierten Text anschließen, weil er hier mit der
Forderung, allein die Schauspielernamen im Titelvorspann zu
erwähnen, doch dem Zwang des herrschenden wirtschaftlichen
Systems erliegt:
"Für die Zuschauer sind nur die Namen der Schauspieler
wichtig. Denn diese sieht es. So müßten alle Hollen,
bis zur kleinsten, bekannt gegeben werden. Alle anderen
Namen sind unwichtig. Wegen des Regisseurs, des Dreh
buchautors, des Kameramanns, des Architekten oder gar
wegen des Herstellungsleiters geht niemand ins Kino.
Es genügt, wenn diese Namen dem Dutzend Menschen be
kannt sind, die als Auftraggeber für sie in Betracht
kommen.
bb) Der Schauspieler in seiner Funktion als Requisit
Verschiedenartige Kameraeinstellungen und vor allem die
Großaufnahme sowie die Möglichkeit zur synthetischen Montage
erfordern spezifische Leistungen des Filmschauspielers, der
sich darin vom Bühnenschauspieler unterscheidet. Es wird vor
allem der Geste, die im Bühnenrauittüntergehen müßte, großes
Gewicht beigelegt. Sowohl vorher Bal6.zs als auch später Iros
1 G. Müller, Dramaturgie des Theaters und des Films,
Würzburg 1943, s. 7.

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