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der Regisseur zeichne und dem Kollektivgeist andererseits,
aus dem der Film geschaffen werden solle. Beide Ansichten
werden (sogar in einem Buch) vertreten. Während G. Müller
für die letztgenannte Auffassung plädiert, spricht sich der
Regisseur und Leiter der filmkünstlerischen Fakultät der
Deutschen Filmakamdemie, W. Liebeneiner, für die erste aus:
"Es liegt in der Struktur des Theaters und Films, daß
hier keine demokratischen Prinzipien regieren können.
Stets waren es autoritäre Persönlichkeiten, die neben
dem notwendigen Kunstverstand und künsterlischen Hand
werkszeug die erforderlichen organisatorischen und
Führereigenschaften besaßen, um die Vielfalt der mit
wirkenden Persönlichkeiten in den Plan des Autors ein
zuordnen. Man bezeichnet diese Tätigkeit heutzutage
als Regie.
Müller gibt neben der Forderung, wie er die Arbeit am
Film und den Einsatz der Schauspieler verstanden wissen
möchte, noch den kulturhistorischen Hintergrund, auf den er
seine Gedanken projiziert:
"Früher, als ein Kunstwerk zur Befriedigung der Gläu
bigen und nicht zur Befriedigung der persönlichen
Eitelkeit des 'Schöpfers' geschaffen wurde, galt als
oberster Grundsatz, dem Zweck zu dienen und als vor
nehmste Eigenschaft die Bescheidenheit, die sich in der
Anonymität ausdrückte. Die größten Kunstwerke aller
Zeiten, die epischen Dichtungen, die Dome, die großen
Bildwerke, Bilderzyklen und Gesänge sind anonym. Denn
meistens legte der Schöpfer gar keinen Wert darauf, ge
nannt zu werden, oder das Kunstwerk entstand aus der
Kollektivarbeit einer Werkstatt.f... 1 Die persönliche
Eitelkeit erstarb in Demut.
t ...] Die Bauhütte ist die idea e Form, in der die
ochste Kunst handwerklicher Zusammenarbeit entsteht.
Die Filmateliers sind solche Bauhütten, in der die
Handwerker mit - Jen Konstrukteuren, die künstlerischen
Mitarbeiter mit den Kalkulatoren, das Gesamtkunstwerk
aus Bild, Ton, Bewegung und Ausdruck schaffen. Nur
Künstler, die sich als Handwerker fühlen, haben eine
Berechtigung, an dem anonymen Kunstwerkdes Films mit
zuarbeiten." ^
Hier wird vom Kunstwerk als beinahe sakralem Gegenstand
gesprochen, vor dem der Einzelne sich in respektvoller
1 W. Liebeneiner, Spielleiter und Dichter, in: G. Müller,
Dramaturgie, S. 2.
2 G. Müller, Dramaturgie, S. 128 f.

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