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herrschaftstechnische Funktion proklamierten. Ihn daraufhin
als das künstlerische Ausdrucksmittel der modernen Zeit
p
schlechthin zu bezeichnen (und man selbst verstand sich als
ihr Exponent), war nicht nur der notwendig folgende, politisch
kluge Schachzug, sondern auch künstlerische Überzeugung, die
sehr detailliert ausgeführt wurde und im Bereich der Ästhetik
als entschieden moderner Schritt bezeichnet werden kann. Die
der NS-Ideologie eigene Funktionalisierung aller Bereiche
sozialen Handelns im Hinblick auf die Realisierung des pro
jektierten NS-Staats ist aber nicht der einzige Grund, der
bei der Erarbeitung der Filmästhetik auch die Gebiete mitbe
rücksichtigen ließ, die die bürgerliche Ästhetik bislang aus
ihrem Programm als außerästhetisch übergangen hatte; die
Überlegungen zur Filmtheorie forderten vielmehr notwendig
dazu heraus, die in der tradierten bürgerlichen Kunsttheorie
beibehaltenen Grenzen autonomer ästhetischer Strukturen zu
überschreiten und Kategorien als konstituierend mitzubeden
ken, die im Bereich des ökonomischen, des Technischen und So
zialen lagen und bisher unberücksichtigt blieben. Dieser die
NS-Ideologie charakterisierende Zug, allen Bereichen sozialer
Interaktion entsprechend politische Relevanz im Programm
ihrer Herrschaftsinteressen beizumessen, setzte sie instand,
bei der Erarbeitung der Filmdramaturgie zu Überlegungen zu
kommen, die denen der Bürgerlich-Konservativen in vielem
x
überlegen waren.' Diese scheiterten in ihren Bemühungen um
1 Vgl. Kap. D. II. c).
2 Vgl. Kap. D. II. b) - Auch Lenin erkannte die ungeheure
Wirkung des Films: "Um den Film eindeutig in den Dienst der
Revolution zu stellen, Unterzeichnete Wladimir Iljitsch
Lenin am 27. August 1919 das Dekret über die Verstaatli
chung der gesamten Filmproduktion" (H. Knietzsch, Film ge
stern und heute, S. 52) "In dem vielzitierten Gespräch mit
Lunatscharski im Februar 1922 sagte er: 'Von allen Künsten
ist die Filmkunst für uns die wichtigste'." (Ders., ebd.,
S. 58). Vgl. A. Lunatscharski, Die Revolution und die
Kunst, Dresden 1962 (= Fundus Bücher Bd. 6).
3 Auf die Unterschiede wird jeweils im Text hingewiesen.

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