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die sich auf die innere Struktur des Kunstwerks beziehen.
"Tritt aber ein Darsteller mit einer einseitig auf sich be
zogenen Phantasievorstellung oder mit besonderen, nicht im
Ganzen begründeten Wirkungsabsichten aus der Werkgemein
schaft heraus, ohne daß er vom Regisseur zurückgewiesen wird,
so wird die Gestalt überbetont, die Kontinuität gestört und
der Organismus gesprengt. Das Publikum wird abgelenkt."
Gegen die gleiche Überbetonung sind aber z. B. auch die
NS-Autoren Belling, der von dem "oft gegeißelten Starkult" 1 2 * 4 5
spricht, Köhn,^ der sich dagegen wendet, Stoffe eigens für
Z. Leander, E. Jannings etc. zu bearbeiten, und Krünes , des
sen Gründe sich nicht von ästhetischen oder dramaturgischen
Überlegungen herleiten lassen, sondern die sich auf die Praxis
der Aufnahmetätigkeit selbst beziehen. Hier ist als Star die
Einzelperson gemeint, "die ihren Egoismus bis zum Größenwahn
steigerte",^ also eine Beurteilung, die auf menschliche Qua
litäten abzielt, aber nicht die schauspielerische Leistung
des Darstellers meint. Die alleinige Ausrichtung auf den
Star verhindere während der Drehzeit den Ensemblegeist, der
unerläßlich sei für die Entstehung eines derart komplexen
Kunstwerks, wie es der Film ist. Dem "Egoismus" des Stars
wird "der echte und ehrliche Künstler, der sich in die Gesamt
heit einordnet und ein brauchbares Mitglied des Ensembles der
Kollektivarbeit wird", 6 entgegengesetzt.
Das berührt im Bereich der Ästhetik eine Problematik, in
der es um die Frage nach der künstlerischen Verantwortung und
um die Voraussetzungen für das künstlerische Gelingen geht:
eine genaue Abgrenzung zwischen der Alleinverantwortlichkeit
für einen Film einerseits, für die in künstlerischer Hinsicht
1 E. Iros, Wesen und Dramaturgie des Films, S. 4-5»
2 C. Belling, Der Film in Staat und Partei, Berlin 1936,
S. 150.
5 C.M. Köhn, Gegenwartsfragen des deutschen Films, Berlin 1938.
4 E. Krünes, Das Star-Unwesen im Film, in: Rundfunk und Film,
S. 37-386.
5 E. Krünes, ebd., S. 386.
6 Ders., ebd., S. 386.

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