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des jeweiligen Hauptdarstellers war, erkannte man früh und
machte die sich daraus für die Dramaturgie ergebenden Proble
me gerade auch im Dritten Reich zum Gegenstand zahlreicher
Überlegungen.
"... über Wesen und Unwesen des Startums ist genug ge
sagt und geschrieben worden, aber Startum hin - Startum
her: es ist nicht zu leugnen, daß die Menschen der gan
zen Welt ein Hauptmotiv ihres Filmbesuches in dem Wunsch
sehen, ihnen2bekannten und beliebten Gesichtern wieder
zubegegnen. "
Einige Filmtheoretiker, die ich zu den Bürgerlich-Konser
vativen rechnen möchte, weil sie dem Phänomen des Filmstars
allein mit ethisch-ästhetischen Kategorien beizukommen su
chen, ohne die es bedingenden Faktoren eines kapitalistischen
Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu berücksichtigen,spre
chen sich gegen die Verwendung oder zumindest gegen eine zu
starke Hervorkehrung des Stars aus und führen Begründungen an,
1 So bereits bei Asta Nielsen und Mary Pickford. Man erfuhr
es dann in einer Form, die sich bis zum Massenwahn steiger
te, bei Rudolf Valentino, obgleich es gerade in seinem Fall
wohl zum einzigen Mal in der Geschichte der Kinematographie
zu einer Kraftprobe zwischen der Macht der Konzernherren und
dem Publikumsinteresse kam, als Valentino aufgrund seiner
steigenden Beliebtheit eine Erhöhung seiner ursprünglich
vereinbarten Anfangsgage verlangte und nach seiner Weige
rung, unter jenen Bedingungen weiterzuarbeiten, von den Pro
duzenten, die sich geschlossen gegen ihn stellten, "auf Eis
gelegt" wurde, bis sie durch die ständige Nachfrage des
Publikums den eher noch steigenden denn fallenden Markt
wert ihres Stars erkannten und ihn dann für eine entsprechend
höhere Gage für sich arbeiten ließen.
2 F. Hippler, Betrachtungen zum Filmschaffen, S. 29 f. - An
einem Phänomen wie dem Starkult, einer "durch Einkommensver
hältnisse vorübergehenden kapitalistischen Begleiterschei
nung" (K. A. Götz, Der Film als journalistisches Phänomen,
Düsseldorf 1937, S. 45), also einem, wie man in bürgerlichen
Kreisen meinte, außerkünstlerischen Grund, läßt sich am
ehesten verdeutlichen, wie Autoren, die mit bürgerlicher
Ästhetik an dieses neue, von wirtschaftlichen Gesichtspunk
ten mitbestimmte künsterlische Medium herangehen, in ein Di
lemma kommen, wenn sie beim Film traditionelle Ästhetik mit
NS-Ideologie zu verbinden versuchen.

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