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"Da der Film nicht nur äußere Bewegung zeigt, sondern
ebensosehr innere Bewegung, wird in der Großaufnahme
ein ausdrucksvolles Mienenspiel die seelische Erregung
spiegeln."^
Daher ist die Großaufnahme zugleich angemessenes Ausdrucks
mittel für die verhaltene, in sich gekehrte Dynamik des Hel-
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den, wie er von der NS-Asthetik erträumt wurde. Sonst wird
sie vornehmlich zur Betonung "rassegeprägter" Gesichter ein
gesetzt, um die einzelnen Köpfe einer Gruppe, die in einer
Halbnaheinstellung aufgenommen sind, in ihrer Eigenart vor
zustellen. ^ Eine statistische Untersuchung ihrer Häufigkeit
im nationalsozialistischen Film könnte Aussagen darüber ma
chen, welche Gestalten, Gegenstände und Thesen in diesen Fil
men von besonderer Bedeutung sind. Daß die Großaufnahme seit
ihrer Einführung in die Filmkunst sparsam verwendet und in
erster Linie aus Gründen der handwerklichen Gepflogenheit
oder um äußerer dramatischer Effekte willen angewendet wurde,
ohne im durchschnittlichen Spielfilm Tendenzcharakter zu ver
raten, ist noch kein stichhaltiger Einwand gegen die aufge
stellte These; denn gerade die unbewußte Anwendung eines der-
1 G. Müller, Dramaturgie, S. 189.
2 Ygl. ders., ebd., S. 189; Koch-Braune, Von deutscher Film
kunst, o. S. "Aus der großräumigen Auflösung des Gesichts
in verbergende Schatten und flackernde Lichter, Täler der
Sorge und Rainen des Leids spricht uns plötzlich die ganze
Ungeborgenheit des Daseins an, die heroisch-tragische Frag
würdigkeit der Existenz." Vgl. dazu auch: R. Lauckner,
Ober die Grenzen zwischen Film und Schauspiel, NS-MH, 13«
Jg. 1942, S. 353: "Das gilt besonders auch von innerlichen
Steigerungen, die die Großaufnahme, zum Teil wenigstens,
ins Visuelle zu übertragen vermag." - Vgl. dazu auch
Kap.IV.b)2.
3 Der marxistische Filmtheoretiker B&la Baläzs sieht in der
Großaufnahme gerade ein Mittel, das Klassengesicht im Ge
gensatz zaun Rassengesicht hervorzuheben (ders., Der Geist
des Films, S. 24), wobei er vor allem an die russischen
Revolutionsfilme denkt. Die nationalsozialistischen Film
theoretiker sprachen sich nie so programmatisch aus. Empi
rische Untersuchungen bestätigen aber die aufgestellte
These, daß 3ie dennoch in dieser Weise verwendet wird.
Vgl. Tafel XIII.

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