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der Hersteller wie ihrer Kritiker "nationalsozialistisch" zu
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nennen. Innerhalb der wenigen Jahre war es nicht möglich,
ausschließlich solche Künstler in der Produktion zu beschäf
tigen, die dem von der NS-Ideologie projektierten Idealbild
des Filmschaffenden entsprochen hätten. Man brauchte einen
Übergang. Da die zwölf Jahre des "Tausendjährigen Reichs"
nicht ausreichten, den nach den Vorstellungen ihrer Theoreti
ker herzustellenden Film in großer Zahl zu realisieren, ist
die Beschränkung meiner Untersuchung auf die Texte zur Film
theorie doppelt gerechtfertigt. Es wäre auch unzureichend,
die Drehbücher als Aussagematerial über die NS-Filmdramatur-
?
gie oder über die fertigen Filme heranzuziehen, da sich
einmal die Realisierung nicht am die Vorlage zu halten
braucht - sei es aus Gründen der künstlerischen Praxis oder
aus denen der Zensur -,und zum anderen mit Hilfe der opti
schen Gestaltungsmittel erst die eigentliche Aussage konsti-
x
tuiert wird. Wie eine spezifische Aussage sich aber im Medium
Film realisieren kann und welche Überlegungen von NS—Film-
theoretikem angestellt wurden, ein dramaturgisches Modell zu
entwerfen, dessen sämtliche Strukturelemente daraufhin ausge
richtet waren, Funktionsträger dieser Ideologie zu sein, ist
Gegenstand dieser Untersuchung.
Es fügt sich ohne weiteres in das erarbeitete Bild vom
deutschen Faschismus, daß die NS-Filmtheoretiker die Wirkungs
möglichkeiten des Films erkannten und offen seine mögliche
1 Vgl. Kap. D. IV. b).
2 Drehbücher würden m. E. nur dann einen guten Untersuchungs-
gegenstand abgeben, wenn man eine große Zahl von ihnen, de
ren Verfilmungen Erfolge waren, als Grundlage für Inhalts
analysen nehmen würde. Das setzte aber ein anderes Thema
voraus und müßte an das Werk von S. Kracauer, Von Caligari
bis Hitler, anknüpfen, der durch Inhalts- und Formanalysen
bestimmte Tendenzen in deutschen Stumm- und frühen Tonfilmen
aufgezeigt hat, die allgemein den deutschen Film vor 1933
kennzeichnen und eine Kontinuität über das Jahr 1933 hinweg
erkennen lassen. Da diese Analyse aus dem Jahre 19^7 heute
leicht zugänglich ist (rde 63), kann hier auch auf eine Dar
stellung des deutschen Films vor der NS-Herrschaft verzich
tet werden.
3 Vgl. Kap. F. IV.

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