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"selbständig wirkenden Bildfaktoren hinzugeben, die
außer ihrer inhaltlichen Deutung formal weder nach
rückwärts noch nach vorwärts Verknüpfung haben.
aa) Die Totale
Die Totale steht im allgemeinen in der Exposition jeder
Handlung, um über den Schauplatz Aufschluß zu geben. Uber
diesen Informationscharakter hinaus hat sie bestimmte Aus
sagekraft. Sie läßt die Beziehungen der im Bilde erschei
nenden Personen untereinander und deren Verhältnis zur wei
teren Umwelt sichtbar werden. In ihr kann Welt-Anschauung
bildhaft werden. Sie ist vorzüglich geeignet, den einzelnen
in seiner Kleinheit und Ohnmacht den Naturgewalten gegen
über zu zeigen, die Einsamkeit des "nordischen Menschen" im
Verhältnis zur Landschaft auszudrücken oder ihn als Bestand
teil der Masse fungieren zu lassen, in der er nicht als Ein
zelperson, sondern nur als Aufbauelement eines großen Ganzen
interessiert. Er wird in diesem Palle auf ein kompositorisches
Ornament oder auf einen Mosaikstein im Bildgefüge reduziert
(vgl. Tafel I-III ).
Eine längere Sequenz von Halbnah- und Nahaufnahmen kann
in einer ruhigen Totale ausklingen, indem sie das "Private
des Kammerspiels wieder in den Bereich der großen Eäume über-
führt." Sie ist also geeignet, persönliches Schicksal zu
relativieren und durch ihre bildliche Aussagekraft den ein
zelnen wieder in seine ihm zukommende größere Umgebung ein
zugliedern, wie etwa in die deutsche Landschaft, den Volks
oder gar Parteiverband. Aus einer möglichen vorangegangenen
1 Koch/Braune, Von deutscher Pilmkunst, Berlin 19^3» o. S.
Vgl. auch: Ders., ebd.: "Sie wird immer, auch wenn krib-
belndes Gewimmel die Szene erfüllen mag, einen ruhigen
Atem haben, denn sie muß dem Auge Gelegenheit zum Schwei
fen lassen. Man kann sie darum auch nicht kurz schneiden.
Sie ist die Einstellung des langen, abwartenden und mit
Mußebeobachtenden, objektive Distanz wahrenden Blickes."

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