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einstellung eine subjektive Anschauung von der Welt unmit
telbar objektiviert, während die durch das Wort vermittelte
Perspektive erst allmählich in der Vorstellung konstituiert
wird.
Innerhalb der Diskussion um die Kunstfähigkeit des Films
werden zwar neben Drehbuch und Schauspielkunst die Möglich
keiten betont, die die Kameraeinstellungen bieten, im Ver
gleich zu jenen Gestaltungsmitteln werden diese aber doch
recht selten genannt, ihre spezifischen Erscheinungsformen
wie Totale, Halbnah-, Nah- und Großaufnahme sogar kaum ge-
sondert aufgeführt. Das Urteil über ihren künstlerischen
Wert richtet sich dabei meistens nach der Haltung, die die
?
Autoren der Fotografie gegenüber einnehmen.
"Fotografie und Film haben einen Wert in der Abbil
dung schlechthin. Diese Tatsache bedeutet nicht nur
an sich eine Stilisierung des Gegenstandsfeldes, die
die festzuhaltende Erscheinung von der Wirklichkeit
abhebt, sondern beansprucht schon einen künstlerischen
Wert, indem die Aufmerksamkeit des Beschauers auf die
inhaltliche Erfassung des Dargestellten, auf die Beach
tung der Formwerte des Bildes (die Bedeutung der Aus
wahl. den Grad der Einstellung, die Füllung des Eah-
mens) hingezwungen wird von einer Ausdruckskraft, die
dem unabgebildeten Sein vorenthalten ist. Auf der höhe
ren Stufe schreitet der Künstler der Kamera von der Ab
bildung des Seins zur Wiedergabe des Wesens der Dinge
weiter. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist um so schwerer
und zugleich verdienstvoller, je stärker unsere Augen
1 Am häufigsten wird davon die Großaufnahme erwähnt; vgl.
dazu Kap. IV. b
2 So bringt A. Götz, Film als journalistisches Phänomen,
S. 54, gegen die Einstellung als ein Gestaltungsmittel,das
der Film mit der Malerei und den zeichnerischen Künsten ge
mein habe, die der Photographie überhaupt entgegengebrach
ten Einwände vor: sie hätte keinen ästhetischen Wert, da
durch den photographischen Charakter die Totalität persön
licher Ausdrucksgestaltung unmöglich gemacht werde. Er
bezweifelt mit Hecht ihren eigenständigen Kunstcharakter,
weil die ästhetische Eigenentwicklung der Einstellung durch
die Bindung der Bilder und die gleichzeitige Vermengung mit
Worten, Tönen und Geräuschen gehindert sei (S. 87).

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