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1. Die Kameraeinstellungen
Die Kameraeinstellung ist Grundgestaltungsmifctel des
A
Films, wobei ihre elementare Stellung etwa der des Wortes
p
in der Literatur entspricht. Wie jenes hat sie sowohl
*
stoffliche als auch strukturelle Bedeutung;^ d.h. zunächst
ist sie neben anderen Konstituierungselementen (wie z. B,
Schauspieler, Wort, Geräusch, Musik, Schauplatz, Lichtfüh
rung, Montage etc.) ästhetisch indifferentes Rohmaterial.
In bestimmtem Kontext aber wird sie wie jenes ästhetisch
wirksam und damit zum grundlegenden Strukturelement. Darüber
hinaus aber ist die Kameraeinstellung hauptsächliches Dar-
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stellungsmittel einer Perspektive, die z. B. der Erzählper
spektive in der Epik oder der des lyrischen Ich in der Lyrik
entspricht. Wichtig ist aber, daß der Vergleich mit der
Literatur darin seine Grenze hat, daß sich in der Karnera-
1 Vgl. dazu E. Iros, Wesen und Dramaturgie des Pilms,
Zürich 1957, S. 215 ff«; auch S. 105 ff.
2 So sieht es z. B. schon W. Pudowkin, Pilmtechnik, S. 8
und E. Iros, Wesen und Dramaturgie des Pilms, S. 105.
3 Vgl. zu dieser Begriffsbestimmung: Wellek/Warren, Theorie
der Literatur, S. 120 P.
4 Grundsätzlich erkannt, wenn auch nicht derart präzisiert
haben es Koch/Braune, Von deutscher Pilmkunst (o. S.):
"Einstellung und Schnitt sind die wesentlichen Kunst
mittel des Pilms, die die Szenen in ihren charakteri
stischen Blickwinkel, ihrer Dauer und dramatischen
Polge unter den formenden Willen des Regisseurs zwin
gen. Beide bedingen und ergänzen einander."
Ähnlich sah es bereits vorher B. Baläzs, Der Geist des
Pilms, Halle 1924, S. 30 f.: "Wir sehen im Bilde zu
gleich unsere Stellung, d. h. unsere Beziehung zum Ge
genstand. [...] / Jedes Bild meint eine Einstellung,
jede Einstellung meint Beziehung, und nicht nur eine
räumliche. Jede Anschauung der Welt enthält eine Welt
anschauung. Darum bedeutet jede Einstellung der Kamera
eine innere Einstellung des Menschen." - Diese Gedanken
übernimmt auch E. Iros, Wesen und Dramaturgie des Films,
S. 215 ff.

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