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Grundsätzlich ist man sich in Kreisen der NS-Filmtheoreti-
ker spätestens seit Goebbels' Rede vom 28. März 1933 darüber
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einig, "daß es eine ausgesprochene filmische Kunst gibt."
An diesem Tag führt Goebbels in einer Rede vier Filme an,die
"einen unauslöschlichen Eindruck" auf ihn gemacht hätten:
Panzerkreuzer Potemkin, Anna Karenina, Die Nibelungen, Der
Rebell. Eine Erklärung, warum der Film "Anna Karenina" eine
"filmische Kirnst" sei, wird freilich nicht gegeben. Es genüg
te, daß die Autorität Goebbels erklärte: "Greta Garbo hat be
wiesen, daß es eine ausgesprochene filmische Kunst gibt. Die
ser Film ist kein Surrogat von Theater und Bühne. Es gibt
eben eine eigene filmische Kunst."
Während diejenigen, die dem Stummfilmpurismus huldigten,
eine Definition des "Filmischen" geben konnten, die eine ab
geschlossene Entwicklung umfaßte und erhalten sollte, mußten
die Vertreter der anderen Gruppe ihren Begriff weiter fassen
und offen halten für mögliche technische Neuerungen, die das
Wesen des Films und damit seine Ästhetik verändern konnten.
Es war daher notwendig, die Funktion der einzelnen Struktur
elemente des Films zu untersuchen. Die Bestimmung dieser Funk
tion wurde aber zugleich von dem Verständnis mitbestimmt, das
man vom "Filmischen" bereits hatte. Dabei haben die optischen
Q
Gestaltungsmittel den Vorrang ("Film ist Bildkunst"'"), während
alle anderen als untereinander gleichrangig dem bewegten Bild
wertmäßig beigeordnet werden.
"Nur soweit Wort, Geräusch und Musik - unter sich von
wertgleicher Bedeutsamkeit - als zwangsläufig-unmittel
bare, begleitende oder kontrastierende Bindung an die
1 J. Goebbels traf diese Feststellung am 28. März 1933,vier
zehn Tage nach seiner Ernennung zum Minister für Volksauf
klärung und Propaganda, "bei einem Bierabend, zu dem die
'Dachorganisation filmschaffender Künstler Deutschlands'
nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch den Vorstand und
die Mitglieder des 'Reichsverbands deutscher Filmtheater
besitzer' und der 'Spitzenorganisation der deutschen Film
wirtschaft' eingeladen hatte." (G. Albrecht, Nationalsozia
listische Filmpolitik, S. 13). Diese Rede ist abgedruckt bei
G. Albrecht, a.a.O., S. 439 ff., zit. nach: C. Belling, Der
Film in Staat und Partei, Berlin 1936, 27-31.
2 G. Müller, Dramaturgie, S. 190.

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