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a) Der Begriff "Filmisch"
Der Begriff "Filmisch", der in diesem Zusammenhang stets
fallt, wird dabei jeweils von einem verschiedenen Verständ
nis vom Film hergeleitet. Grundsätzlich lassen sich zwei
Sichtungen unterscheiden. Die einen wollen das elementar Fil
mische nur im Optischen sehen. Es sei, schon aus historischen
Gründen, gleichsam die Drform des Films und eine Darstel
lungsart, wie sie bis dahin von keiner anderen Technik ge
bracht wurde. Die anderen sagen, der Film sei weder als
Stummfilm konzipiert gewesen, noch sei er in der Praxis ohne
Ton aufgeführt worden. Das Ziel der Künstler sei stets die
Darstellung des Lebens gewesen, und man könne nicht allein
auf Grund technischer Unvollkommenheiten Abstriche von die
sem Ziel machen und aus technischen Mängeln eine ästhetische
2
Tugend zu machen versuchen. Die erste Gruppe kann übergangen
werden. Ihre Argumente wurden von den hier zur Untersuchung
stehenden Autoren nicht geteilt und später - wohl wegen der
politischen Aufwertung des Tonfilms - nicht mehr nachdrück
lich verbreitet. Die Vertreter der zweiten Ansicht sind prin
zipiell in der Lage, ihr Verständnis vom Film stets allen
technischen Neuerungen anzupassen, was bei einem technischen
Medium in einer Zeit fortschreitender technischer Perfektion
eine von diesem Aspekt aus stets zeitgemäße Beurteilung ge
stattet. Es fragt sich hier indes, ob diese potentiell fort
schrittliche Perspektive nicht durch andere Bücksichten ein
geschränkt wird. Ein Medium, das durch seine Technik in der
Lage war, die Umwelt in bislang ungekannter Weise detailtreu
abzubilden, mußte mit einer Ästhetik in Widerspruch geraten,
die auf Idealisierung in der Darstellung ausgerichtet war. Die
Überlegungen zur Ästhetik des Films sind aber in den Texten,
die vorliegen, nicht so weit vorangetrieben worden, so daß
sich diese Schwierigkeit als Thema nicht erkennen läßt.
1 Vgl. dazu vor allem die Dissertation von B. Eehlinger, Der
Begriff Filmisch, Emsdetten 1938 (= Die Schaubühne Bd.18).
2 W. Panofsky, Die Geburt des Films, S. 37.

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