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Tendenzstücke zugezählt. Goebbels' durchaus richtige Er
kenntnis :
"Es gibt keine Kunst ohne Tendenz, und die tendenziö
seste ist die, deren Schöpfer behaupten, sie habe
keine",2
die er am Beispiel von Friedrich Schiller seinen Hörern
nahezubringen versuchte, konnte unter den gegebenen Verhält
nissen - zumal aus seinem Mund - nicht auf Zustimmung stoßen
(abgesehen davon, daß mit der Proklamation dieser Erkenntnis
nur die Herrschaft dieser einen im Dritten Reich möglichen
Tendenz gerechtfertigt werden sollte); das hat er als Takti
ker sehr wohl erkannt.
Für die Praxis bedeutete es, daß Goebbels die Produktion
von ausgesprochenen NS-Propaganda-Filmen nach den ersten Jah-
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ren einstellen ließ. Statt dessen bediente er sich der un
terschwelligen Propaganda, was ihm die Feindschaft des Dog
matikers Rosenberg und z. T. auch Hitlers Ablehnung ein
brachte, ^ propagandistisch aber zweifellos den größeren Er
folg gehabt haben dürfte. Erst die geschickte Zubereitung
der Inhalte, mit denen sich die Mehrzahl des Publikums identi-
1 Die Aporie, in die Kritiker heute noch kommen, die an "ten
denziöse" Kunst glauben und meinen, sie am höchsten einstu
fen zu müssen, zeigt sich am deutlichsten dann, wenn ihnen
so klassische Werke wie Eisenstein- und Pudowkinfilme oder
der recht gut gemachte "Triumph des Willens" von leni Rie
fenstahl vorgeführt werden und sie anschließend zu einem Ur
teil über diese Streifen aufgerufen werden, das darüber Aus
kunft geben soll, ob sie diese Filme zur Filmkunst rechnen.
Nicht nur in Oberhausen v über den "Kultur- und Dokumentarfilm
des Dritten Reichs"konnte ich diese Beobachtung machen; auch
Englands Kritiker, die jüngst bei einer Wiederaufführung von
Riefenstahlfilmen "our Leni" einen wahren Triumph bereite
ten, lösten wiederum bei den Kritikern in unserem Land Ver
wirrung aus, die wohl primär moralischer Art war und nicht
ein Ergebnis von Überlegungen über ästhetische Urteilskri—
terien politisch engagierter Werke.'in einem Seminar
2 J. Goebbels, Goebbels weist dem Film den Weg, in: Film-
Kurier vom 29.3.1933; zit. nach: J. Wulf, Theater und Film
im Dritten Reich, S. 361.
3 Vgl. Kap. E. III. b).
4 Vgl. Kap. E. III. und D. III. b).
5 Vgl. H. Brenner, Nationalsozialistische Kunstpolitik,
S. 63-86, und Kap. E. III. a) dieser Arbeit.

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