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Wenn in den meisten Untersuchungen Bild, Wort und Musik als
die vorherrschenden Gestaltungsmittel des Films genannt wer
den, deren harmonische Vereinigung die filmische Vollkommen
heit ergebe, so bedeutet dasim allgemeinen aber noch nicht,
daß der Film einhellig als das "Gesamtkunstwerk unserer Ta-
ge" angesehen wird. Wahrend zwar Liebeneiner den Filmre
gisseur als Gestalter des Gesamtkunstwerks betrachtet und
p
Müller das Bestreben dazu dann erreicht sieht, wenn sich
Bild, Ton und Inhalt nach einem gleichmäßigen Rhythmus ver
ändern, so sprechen sich doch die meisten Autoren gegen den
Wunsch aus, im Film ein Gesamtkunstwerk erblicken zu wollen,
weil bereits bei Wagner die enge gegenseitige Bindung von
Wort und Ton Dichtung und Musik gehindert hätten, zu eigener
z
Entfaltung zu gelangen. Vielmehr müsse die Vorherrschaft
4
einer Ausdrucksart die anderen prägen. Daher lag es nahe zu
1 Vgl. W. Liebeneiner, Filmregie, S. 346.
2 Vgl. G. Müller, Dramaturgie, der in seiner Filmästhetik
von Liebeneiner beeinflußt zu sein scheint. Liebeneiner
schrieb ihm ein langes Vorwort zu seiner Dramaturgie und
verfilmte sein Drehbuch zum Film "Bismarck".
3 A. Rosenberg, Mythus, S. 429: "Das Wort ist trotz seiner
ihm angeborenen Musikalität stets der Träger eines Gedan
kens oder Gefühls. So sehr man die gedankentragende Sprache
als * außerästhetisches' Element betrachten möchte, so ist
sie doch die Vorbedingung eines jeden echten Dramas."
"Solange nun das Wort einen menschlichen Konflikt schildert,
eine Begebenheit erzählt oder einen Gedankengang vermit
telt, wird es durch die Musik nicht gefördert, sondern
gestört", da ihre vorhandene Eigengesetzlichkeit nicht
ohne künstlerischen Schaden mißachtet werden könne.(Ders.,
ebd., S. 432).
4 K. A. &ötz, Der Film als journalistisches Phänomen, S. 79»
meint, die verschiedenen Ausdruckselemente im Film drängten
zu selbständiger Entfaltung und es gelinge hier nicht, die
Vereinigung zum Gesamtkunstwerk, wie etwa in der Barockar—
chitektur, wo die einzelnen Kunstarten dienende Mittel
seien und die architektonische Grundlage die entscheidende
Leistung darstelle.

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