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IV. Filmkunst durch Eigengesetzlichkeit
Indem man begann, die Kunstfähigkeit des Films aufgrund
seiner Strukturelemente zu erklären, entzog man sich der un
mittelbar politischen Argumentation und stellte sich in die
Tradition so bedeutender Filmtheoretiker wie Bal&zs und Arn-
heim, die bereits die im Film liegende Möglichkeit zur
Kunst aus seinen Formungsmitteln erschlossen hatten. Die
gleiche potentielle künstlerische Kraft gestehen ihm auch
die nationalsozialistischen Filmtheoretiker zu. Zwar gäbe
es nach ihrer Meinung noch kein filmisches Kunstwerk, da die
Forderungen ihrer Ästhetik erfülle, seine Elemente aber sei
en bekannt und man könne "das, was noch fehlt, aus den vor
handenen Filmen sowie aus den Ergebnissen der verschiedenen
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Kunstwissenschaften ableiten". Wie ein noch unbekannter,
aber als existent angenommener Stern berechnet wird, so
glaubte man hier, durch gegenseitige Erhellung der Künste dem
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Ziel nahezukommen. Bereits in der ständigen Wiederholung der
Frage nach dem eigentlich Filmischen sah man "etwas Dämoni
sches, als wollte man wie im Märchen einen plötzlich erschie
nenen übergewaltigen Geist durch die Kennung seines Namens in
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seine Gewalt bringen und sich dienstbar machen!" Viele, die
auf diese Weise die Kunstfähigkeit des Films zu bestimmen
suchten, gerieten allzu leicht in die Versuchung, die Quan
tität der aufgewendeten Formungs.uittel höher zu bewerten als
die Qualität ihrer Verarbeitung und neuartigen Verwendung.
Es ist daher verständlich, wenn geklagt wird, daß "fast all
gemein das Filmkunstwerk als die Summe der aufgewendeten Ein
zelleistungen angesehen wird, nicht aber als Ausdrucksform
mit eigenem Gesetz".
1 R. Arnheim, Film als Kunst, S. '149-153 j vgl. dazu auch
K. Wortig, Der zerbrochene Krug, Nat.-soz. Monatshefte,
13. Jg., 1942, S.615.
2 H. Koch, in: Hamburger Arb.Gern. Film, 1940 (o. S.).
3 Ders., ebd.
4 W. Liebeneiner, in: Hamburger Arb.Gern, am 15. Dez. 1939«
5 L. Fürst, Der deutsche Filmstil, in: JbRFK 37, S. 31.

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