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der einzelne in tiefsten angerührt und mit seinem Nach
barn, den das Kunstwerk ähnlich 'bildet 1 , zu einer Er
lebnisgemeinschaft zusammengeschlossen.
Filme wie die Kriegswochenschau, die beiden Olympia-
Filme, Murnaus unvergeßliche Werke, 'Bismarck', 'Ich
klage an', 'Gefährtin meines Sommers' oder 'Symphonie
eines Lebens', um nur einige Werke ganz verschiedener
Struktur zu nennen, haben die gleiche Wirkung: Sie ge
stalten den Beschauer. Man muß sie darum notwendig als
Kunstwerke bezeichnen. Denn, wären sie nichts als Hand-
werksstücke, sie würden nicht diese gemeinschafts- und
persönlichkeitsbildende Wirkung ausüben. [...]
Es mag daher als erwiesen angesehen werden, daß der Film
nach Einzel- und^Gesamtleistung, nach Wirkung und Auf
gabe Kunst ist."
Panofsky erklärt dazu,
"... daß ein wirkliches Kunstwerk, ja auch schon eine
Kunstform, in einer inneren Auseinandersetzung erobert
werden, erkämpft werden muß, daß die Wirkungen eines
Kunstwerkes niemals in einer Suggestion von außen her
bestehen, sondern von der inneren Eroberung ausgehen
und nur durch sie bleibend in der Psyche des Einzelnen
nachwirken. Nur die Erkenntnis 2 dieser Tatsachen ver-
hilft dem Film zur Kunstform."
In dieser Ansicht, den Film primär aufgrund seiner sozialen
Wirkung im NS-Staat zur Kunst zu erklären und deren Bedeutung
nach dem Grad des jeweiligen Erlebnisses zu bestimmen, nicht
aber aufgrund seiner Gestaltungsmittel, trifft sich die Film-
x
dramaturgie mit der damals geforderten Theaterdramaturgie. Da
diese Art Wirklingsästhetik prinzipiell für alle Künste galt,
braucht sie zwar hier nur kurz erwähnt zu werden, muß aber am
Anfang dieser Betrachtung stehen, weil die politische Wirkung
im Sinne der NS-Ideologie für alle Bereiche sozialer Inter
aktion als höchstes Gebot gefordert wurde. Allein vor diesem
Hintergrund sind die Überlegungen zur Eigengesetzlichkeit des
Films zu sehen, in denen untersucht wird, auf welche Weise ge
rade die filmischen Gestaltungsmittel ihre Wirkung erzielen. 1 2 3
1 Koch/Braune, Von deutscher Filmkunst (o.S.).
2 W. Panofsky, Die Geburt des Films, S. 37.
3 Vgl. U.-K. Ketelsen, Heroisches Theater, S. i85 ff. u.
194 ff.

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