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sein. Es wird, dann für den Filmschaffenden immer leich
ter werden, die Einstellung des Volkes zu erfassen."*
Es mußten also Film und Publikum im Sinne der Ideologie
gewandelt und den geforderten Zwecken angepaßt werden. Aus
einem planlos in die Kinotheater strömenden und willkürlich
zusammengesetzten Publikum sollte eine homogene Zuschauer
schaft werden, die von einheitlich getragenem Willen und im
Bewußtsein gleicher rassischer Substanz ein Lichtspiel er
lebt, das den "Willen des Volkes" künstlerisch gestaltet
und durch Form und Thematik ein Bild des "neuen Seichs" ver
mittelt, so daß die einzelnen Zuschauer vor der Leinwand zu
einem Gemeinschaftserlebnis rassischen Zusammengehörigkeits
gefühls vereinigt und im gemeinsamen Erleben völkischer Film
kunst vom bisher trennenden Klassenbewußtsein zum nun eini-
genden Eassenbewußtsein verbunden werden.' In einem einseitig
politisch ausgerichteten Verständnis von Lessings Wirkungs
poetik bestimmte man die Qualität der Wirkling auf die Zu-
4
schauer zum Maßstab für den Wert als Kunstwerk. Je intensi
ver das vom Film vermittelte Erlebnis ist, desto höher ist
dieser Wert. Letztlich konstituiert ihn nur die Intensität
des von ihm evozierten Gemeinschaftsgefühls als Kunst:
"Jedes Kunstwerk ist, wenn nicht durch sich selbst, an
seiner Wirkung als solches zu erkennen. Diese Wirkung
besteht darin, daß es den Menschen gestaltet, daß es
nicht nur den einzelnen, sondern auch die Gemeinschaft
formt. Vor dem Straßburger Münster, vor dem Isenheimer
Altar, vor der 'Kunst der Fuge', vor dem 'Faust' wird
1 0. Lehnich, Die Eigengesetzlichkeit, in: JbHFK 37, S. 12.
2 Vgl. C. Belling, Der Film im Dienste der Partei, S. 16;
Emil Jannings, Uber den Film, S. 343.
3 0. Kriegk, Der deutsche Film, S. 107} ß. Bie, Emil Jannings,
S. 10.
4 Koch-Braune, Von deutscher Filmkunst (Kap.I). - Aus die
sen Gründen ist es verständlich, daß die Form des "abso
luten Films" abgelehnt wird. Vgl. dazu K. A. Götz, Der
Film, S. 58 ff., 76; B. Hehlinger, Der Begriff Filmisch,
S. 23. Zur Form des absoluten Films: V. Schamoni, Das
Lichtspiel, Berlin 1936. Vgl. dazu auch S. 22 dieser Arbeit,
vor allem dort die Anm. 1.

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