241
<<
so eminente Möglichkeiten bietet, so selten Kunst wird?"
Für ihn lag der Grund - zumindest, was die Zeit vor 1933 an
betrifft — in der kapitalistischen Struktur der Filmwirt
schaft, die auf Massenbasis zu arbeiten gezwungen war;
"Der Künstler hatte allerdings heroische Anstrengungen
gemacht, aber wie er sich auch immer drehen und wenden
mochte: der Masse stand er nach wie vor gegenüber. Hier
war wieder einmal ein Endpunkt einer Entwicklung er
reicht, der diesmal aber endgültig zu sein schien. Was
sollte noch kommen? [... 1 Der Filmkünstler war am Ende
seines Lateins. Denn es ist doch so: die Kunst2kann das
Leben zwar gestalten aber nicht umgestalten."
Den Ausweg sieht Gronostay nur in einer Abkehr von der
bürgerlichen Ästhetik, wenn er im nächsten Satz sagt: "Hier
zu muß ein anderer Faktor in Erscheinung treten: die Folitik.
Für Deutschland glaubt er die Möglichkeit dazu gegeben in der
"Überwindung des Liberalismus durch den National
sozialismus.
Diese Tatsache wird die Entwicklung der Geistesge
schichte für die kommende Epoche entscheidend bestimmen.
Jetzt setzt ein Regenerierungsprozeß ein, der alles um
gestaltet. Aus der gestaltlosen Masse kann wieder ge
staltetes Volk werden. Die Vielfalt auseinanderfallender
Privatinteressen werden zum einheitlichen Willen der
Nation zusammengerissen. Und damit wird ein kritisches
Kapitel der Geistesgeschichte abgeschlossen. Der Künst
ler steht nicht mehr isoliert dar Masse gegenüber, er
wächst wieder aus seinem Volk und schafft für sein Volk.
Er kann den Gestaltungswillen der Nation in feste und
schöne Formen^,bannen. Und so erwächst dem Film eine wei
te Zukunft."
Dieser "Regenerierungsprozeß" des Publikums im Sinne der
NS-Ideologie war notwendig, denn sonst hätten die gewünschten
Filme keinerlei Wirkung gehabt, auch wenn es sie gegeben
hätte, da dem Publikum die innere Voraussetzung dazu gefehlt
hätte, ein solches Werk zu erfassen. Um nämlich völkische
Kunst verstehen zu können, bedarf es gemäß jener Weltanschau—
1 W. Gronostay, Der Film im Strome der Geistesgeschichte, in:
JbRFK 37, S. 28.
2 Ders., ebd., S. 28 f.
3 Ders., ebd., S. 29.
4 Ders., ebd., S. 29.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.