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der Möglichkeit begeben hätte , den Film als die das Theater
ablösende zeitgemäße Volkskunst anzusehen. Denn sobald es
die angestrebten Werke gab, mußte der Einwand des fehlenden
Kontakts und der Unpersönlichkeit aufgehoben werden können.
An die Stelle des Schauspielers, der durch seine körperliche
Anwesenheit im Theater den "Funken überspringen" läßt, sollte
fortan der "Geist des Films" treten, der zum Erlebnis anreg
te. In den ersten Jahren des NS-Eegimes aber mangelte es nach
eigener Aussage dem deutschen Film noch an der gewünschten
Art.
"In den letzten vier Jahren ist der deutsche Film
auf eine völlig veränderte Grundlage gestellt worden.
Die rassefremden Elemente sind aus dem deutschen Film
schaffen ausgeschieden, so daß damit eigentlich die
Voraussetzungen für die Entstehung von Filmen mit wahr
haft deutschem Charakter gegeben sein sollten. Es hat
dann auch eine recht befriedigende Aufwärtsentwicklung
eingesetzt. Es sind Filmwerke entstanden, die in Deutsch
land und in der Welt volle Anerkennung gefunden haben.
Aber die Zahl solcher Filmwerke ist verhältnismäßig
klein geblieben. Jedenfalls steht sie im Mißverhältnis
zu den Kräften, die das Deutsche Volk dem Film zur Ver
fügung stellen könnte. Die Geistigkeit und musikalische
Begabung des Deutschen Volkes gibt; dem deutschen Film
unabsehbare Entwicklungsmöglichkeiten, die heute noch
nicht im entferntesten genutzt werden, ble Kluft, die
zwischen den geistigen Kräften im Deutschen Volke und
dem derzeitigen Stand des deutschen Films besteht,^muß
daher in den nächsten Jahren geschlossen werden."
"Fast hat man den Eindruck, als ob man im deutschen
Film noch mit einem Geist ringt, der nach dem Ausschei
den der Juden längst verschwunden sein sollte. Es muß
aber unter allen Umständen durchgesetzt werden, daß in
der deutschen Filmwirtschaft der Geist einzieht, der dem
Wesen des Deutschen Volkes entspricht. Nur dann ist das
Ziel zu erreichen, das dem deutschen Film im national
sozialistischen Staate gesteckt ist." 1 2
Dieses Ziel zu erreichen, erwies sich als nicht einfach.
Gronostay fragte: "wie kommt es, daß eine Ausdrucksform, die
1 0. Lehnich, Die Eigengesetzlichkeit, in: JbHFK 37, S. 11.
2 Ders., ebd., S. 15»

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