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Wie sehr Lehnichs Überlegungen durch den ideologischen
Anspruch des Nationalsozialismus eingeengt werden, zeigt
sich im folgenden, wenn er in der praktischen Anwendung
- der Untersuchung des Filmschaffens im Dritten Reich - hin
ter seiner theoretisch gewonnenen Position zurückbleibt. Es
ist ihm nicht möglich, ohne merkliche ideologische Überfor
mung eine Strukturanalyse zu liefern, wie er sie eingangs
selbst gefordert hat. Seine postulierte Wertfreiheit bei
der Analyse ist apriori durch die ideologische Determinierung
vieler Begriffe (vor allem im Wort "deutsch") und den Tota
lität sanspruch des Rassismus ausgeschlossen, die beide in
die Analyse mit eingehen und den Blick begrenzen:
"In den letzten vier Jahren ist der deutsche Film auf
eine völlig veränderte Grundlage gestellt worden. Die
rassefremden Elemente sind aus dem deutschen Film
schaffen ausgeschieden, so daß damit eigentlich die
Voraussetzungen für die Entstehung von Filmen mit wahr
haft deutschem Charakter gegeben sein sollten. Es hat
denn auch eine recht befriedigende Aufwärtsentwicklung
eingesetzt.
Sein Schlußsatz suggeriert noch einmal den vorgegebenen
objektiven, wissenschaftlichen Charakter seiner Darlegung.
"Ich habe in meinen Ausführungen eine Reihe offener
Fragen angeschnitten, deren Bearbeitung dazu bei- 2
trägt, die Gesetze des Filmschaffens zu erkennen."
Er täuscht vor, seine Analyse betreffe den Film schlecht
hin; dabei spricht er nur vom "deutschen Filmschaffen".
Doch auch dieser Bereich ist noch einmal dadurch eingeengt,
daß Lehnich in Wahrheit nicht den "deutschen Film" meint,
sondern nur den "nationalsozialistischen" Filmbetrieb, der
alle "rassefremden Elemente" bereits ausgeschieden hatte:
auch hier dient der Hinweis auf die "rassefremden Elemente"
nur als Ideologie, um alle aufklärerischen, demokratischen,
liberalen und sozialistischen Kräfte in Deutschland von
ihrer Zugehörigkeit zu Deutschland auszuschließen.
1 0. Lehnich, Die Eigengesetzlichkeit, S. 21.
2 Ders., ebd.

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