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c) Der Film im Gegensatz zum Theater als die künstlerisch
adäquatere Vermittlungsform der NS-Weltanschauung
Der Versuch, die zeitgenössischen Organisationsformen,
vor allem die Masse als Darsteller und Zuschauer in der
alten rituellen Form des Thingspiels zu vermitteln, schei-
>1
terte. Es wäre, gemäß dem Stil der Bewegung, der sich am
klarsten in der Arena in Nürnberg präsentierte, die einzig
adäquate Form des nationalsozialistischen Theaters gewesen
- wenn man nicht tatsächlich die Schau in Nürnberg selbst
als solche ansehen möchte. Das intendierte "Heroische The
ater" aber in den Gebäuden und der Kulissenwelt der bürger
lichen Bühne zur Aufführung zu bringen hieß, das Ziel mit
inadäquaten Mitteln zu erreichen versuchen; und in der Tat
war den Bemühungen der NS-Dramatiker weder nachhaltiger
noch durchschlagender Erfolg bei Kritikern und Publikum be-
2
schieden. Die grundsätzlich interessierende Frage, warum
es damals zu keiner künstlerischen Leistung im Drama ge
kommen ist, kann allerdings mit dem Hinweis "auf mangeln
des Können der Literaten" 5 nicht hinreichend beantwortet
werden. Das bedeutet ein voreiliges Ausweichen vor der all
gemeinen Problematik auf die individuellen Dispositionen der
Autoren, was im Vorgriff alle übergreifenden Bedingungen aus
klammern und der Forschung voreilig den Weg abschneiden wür
de. Eine Untersuchung über die Bedingungen der Möglichkeiten,
den theoretisch aufgestellten Anspruch praktisch überhaupt
einlösen zu können, hätte die Antwort ergeben. Es ist näm
lich, wenn man den Grund für das Versagen allein in dem künst
lerischen Unvermögen der Autoren erblickt, nicht einzusehen,
1 Vgl. H. Brenner, Nationalsozialistische Kunstpolitik,
S. 106: "Goebbels blies die Thing-Bewegung 1937 offiziell
ab." Vgl. dies., ebd., S. 95—106.
2 Vgl. U.-K. Ketelsen, Heroisches Theater, S. 38; vgl. auch
ders., ebd., S. 69 ff.
3 So versucht es U.-K. Ketelsen, Heroisches Theater, S. 38,
zu erklären.

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