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weil man sich aus taktischen Gründen weiter Kreise als Partei
gänger versichern mußte; es charakterisiert indessen nicht das
Wesen des "Nationalsozialismus". Die Praxis der Realisierung
dieses Ziels ist zwar selten deutlich ausgesprochen worden,
die untersuchten Texte können aber als so verstandenes Hand-
p
Werkzeug für dieses Herrschaftsziel aufgefaßt werden. Das
setzte nicht unbedingt ein spezifiziertes Programm der NS-
Ideologie voraus, es war dies vielmehr ohne eine zugrundelie
gende Systematik einfach zu bewerkstelligen, weil alle Berei
che des Lebens nur im Hinblick auf diese Punktion instrumen-
talisiert zu werden brauchten;^ die politische Macht und das
auf allen Gebieten durchgesetzte Pührerprinzip garantierten
die Durchführung. Alle Bereiche des gesellschaftlichen Le
bens wurden in funktionaler Abhängigkeit vom Primat der NS-
Politik betrachtet und daraufhin untersucht, inwieweit sie
zur Konsolidierung der Herrschaft in Dienst genommen werden
konnten. Diese Funktionalität oder "Beziehungsetzung" , wie
4
es Goebbels nennt, meint also nicht ein System mehrerer, in
gegenseitiger Abhängigkeit voneinander funktionierender Fak
toren, sondern eine lineare Abhängigkeit, die a priori von
der Konstante der NS-Zielvorstellung bestimmt ist. Diese Be-
1 Das Besondere des deutschen Faschismus hat daher auch ein
Konservativer wie A. Möhler nicht erkannt, der die Natio
nalsozialisten prinzipiell nicht aus den Kreisen der Völ
kisch-Konservativen zu isolieren vermag und der von ihm
selbst getroffenen Einteilung letzten Endes nur "persönli
chen, fast privaten Charakter" zubilligen kann. (A.Möhler,
Die Konservative Revolution, S. 68.) Das gilt auch für
Ü.-K. Ketelsen, Heroisches Theater, S. 8, wenn er sorgsam
absichernd den Nationalsozialismus "nur eine besondere Po
sition unter anderen im völkisch-konservativen Felde der
Opposition gegen die Weimarer Republik und ihre geistigen
Grundlagen" nennt.
2 Diese Feststellung gilt allgemein. In den Texten zur Film
theorie findet sich ein Beispiel für diese These, das im
Kap. E. II. b)2. vorgestellt wird.
3 Vgl. K. D. Bracher, "Nationalsozialismus", S. 209;
W. Hofer, Der Nationalsozialismus, S. 168.
4 Vgl. E. II. dieser Arbeit.

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