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Dörfler hat aua seiner Perspektive die verschiedene Punk
tion von Dichter und Drehbuchautor nicht zu unterscheiden
vermocht. Auch bei diesem Vergleich ging er von Theaterprak
tiken aus. Das zeigt seine Auffassung von der Verarbeitung
des Stoffs.
Der Unterschied zwischen dem Text eines Dramas, das in
sich einen literarischen Wert hat und auf der Bühne als
sprachliches Kunstwerk wirkt, und einem Drehbuch, das in er
ster Linie eine Richtschnur für die Inszenierung des Pilms
ist, geht ihm nicht auf. Er wurde damals schon von anderen
erkannt, die dem Drehbuch die Punktion einer Partitur gaben
und Dirigent und Regisseur miteinander verglichen. Der Ver
such, dem Drehbuch literarische Qualitäten zuzugestehen,wie
es einige tun, um den Pilm als Kunst zu rechtfertigen, ist
freilich vergebliches Bemühen am falschen Objekt. Anders ver
hält es sich, wenn man vom Standpunkt der Literaturwissen
schaft ausgeht, das literarische Drehbuch als eine neue Qua
lität des Schreibens entdeckt und eine neue Kategorie für
die Literatur gewinnt. - Seine Annahme, ein Pilm werde wohl
selten mehrmals angesehen, weil "die Mechanik die letzte
Illusion" raube, erweist sich bereits zu seiner Zeit als
Trugschluß. Er unterschlägt nicht nur die Erfahrung, daß noch
weniger Besucher sich ein und dieselbe Theaterinszenierung
öfter ansehen als einen Pilm. Er verwechselt obendrein den
vorführfertigen Pilm und dessen viele Kopien, die per se
die Präge nach dem Original gegenstandslos machen, mit dem im
Wortlaut stets gleichbleibenden Dramentext, der dann zur
Grundlage einer von Spielzeit zu Spielzeit wechselnden und
bei jeder Bühne andersartigen Inszenierung gemacht wird. Er
hätte also entweder Film und Dramentext vergleichen müssen,
die sich beide nicht mehr ändern, oder die verschiedenen In
szenierungen eines Theaterstücks mit den Remakes eines Pilms.
Mechanik in einem technischen Jahrhundert bei einem tech
nischen Ausdrucksmit'tel illusionistisch übertünchen zu wol
len, dokumentiert überdies seine Rückständigkeit. (Außerdem
würde ein einziges Filmbeispiel, bei dem die Mechanik nicht

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