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Dörfler nicht dazu, hier zwei verschiedene Aussage- und Ge
staltungsqualitäten von zwei eigenständigen Kunstarten an-
zunehmen.
Die "Schönheiten des Werkes" wird man auch bei einem guten
Film erst nach mehrfachem Sehen voll entdecken können. Ihm
gar nicht erst die Möglichkeit ästhetischer Wirkung zuzuge
stehen, zeigt zumindest beschränktes Bewußtsein. Das kann aber
leicht ideologischen Charakter annehmen, wenn es als ein Ar
gument unter vielen dazu beitragen soll, dem Film prinzipiell
den Wert der Kunst abzusprechen und dem Kino die Möglichkeit
zu nehmen, kulturvermittelndes Institut zu sein, während man
dem bürgerlichen Subventionstheater diese Fähigkeit allein
zubilligt. Das würde eine soziale Auf- bzw. Abwertung der in
jener Zeit noch schichtenspezifisch gesonderten Besucherkrei
se von Theater und Kino implizieren, die elitär-konservativem
Denken entspringt und an der Erhaltung der bestehenden Klas
senstruktur interessiert ist. Inwieweit bei den Apologeten
des Theaters derartige gesellschaftliche Interessen mitspie
len, dem Film keinen kulturellen Wert zuzuge3tehen, ist zu be
urteilen hier nicht der Ort und gehört in eine Arbeit über
das Theater im Spätbürgertum. Der Hinweis zeigt aber, unter
welchen Gesichtspunkten Ideologieverdacht angemeldet werden
kann.
1 Auch T. Klein, Film und Theater, Süddt. Mon.-H.,30.Jg.,H.5,
S. 263, verwechselt die Arbeit des Schauspielers auf dem
Theater, der eine Aufführung jeweils hic et nunc neu konsti
tuiert, mit der funktional völlig anderen Arbeit des Film
schauspielers vor der Kamera:
"Es ist platterdings unmöglich, daß ein Schauspieler,und
wäre er der größte, in solchen 'Proben' seine Vision aus
bilden kann. Er ist ja nichts anderes als ein geringfü
giger Bestandteil dieses Apparates."
Auch hier ist die richtige Erkenntnis der völlig anderen
Funktion des Schauspielers, nämlich "ein geringfügiger Be
standteil dieses Apparates" zu sein, festzustellen. Eine
Schlußfolgerung im Sinne einer Untersuchung beider Künste
unterbleibt aber auch bei Klein.

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