Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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weil in seinem Beitrag wohl alle derartigen Klischees Vor 
kommen, die man dem Kino entgegenbrachte. 
"Der redende Mann auf der Leinwand bleibt Schatten, der 
Mann auf der Bühne ist Fleisch und Leben, ist Farbe und 
runde Wirklichkeit. Ein Film wird wohl selten ein zwei 
tes- und drittesmal gerne angesehen werden, denn die 
Wiederholung bringt die Mechanik zu peinlichem Bewußt 
sein und raubt die letzte Illusion. Die Schauspieler 
aber wiederholen das Stück stets in neuem Ringen um die 
vollkommenste Wiedergabe, und dieses Ringen zu spüren 
und mitzuerleben, ist wie bei der Wiederholung eines 
Musikstückes, eine der köstlichsten Spannungen des Zu 
schauers, der auf diese Weise mit den Ausführenden be 
wegt wird und neue Schönheiten des Werkes entdeckt. 
[...] Und nun: etwas Gespenstisches - dies Wort im wei 
ten Sinn genommen - etwas Blutloses, Schemenhaftes aus 
Maschinen Abgequältes bleibt als Stigma wohl für immer 
auch dem redenden Film, und die Möglichkeit, daß aus dem 
Werke des Dichters, wenn es durch all die schwierigen 
Verfahren hindurchgegangen ist, etwas Fremdes, Gespen 
stisches werde, ist ungleich größer, als wenn es durch 
die Medien der Bühne gehen muß. 
Wie die Grammophonplatte für eine musikalische Auffüh 
rung, so bleibt der Film für die Wiedergabe eines dich 
terischen Werkes Ersatz. [...] Er tut vortreffliche 
Dienste allen, die zum kostbaren Echten nicht kommen 
können, und gibt ihnen eine ungefähre Vorstellung,.von 
dem sonst nie Erreichbaren. Aber er ist Ersatz." 
Dörflers Kritik am Film ist in ihrer Oberflächlichkeit für 
die Argumente der Kulturkritiker symptomatisch. Von faktisch 
gleichen Konstitutionselementen wird auf eine Ähnlichkeit 
beider Medien kurzgeschlossen, ohne daß man versucht, die 
Funktion dieser Bauelemente in der Struktur der jeweiligen 
Kunst zu bestimmen. Die Scheu vor der Notwendigkeit, nach der 
Funktion dieser Strukturelemente zu fragen, um schließlich 
zu einer neuen Standortbestimmung zu kommen, zeigt sich auch 
hier, wenn die Kriterien, die das Künstlerische am Theater 
ausmachen, als Maßstab für eine Beurteilung auch des Films 
genommen werden, ohne daß überlegt wird, ob sie der Funktion 
im Film überhaupt gerecht werden. Aus dieser Perspektive be 
trachtet ist es allerdings unmöglich, den Film anders denn 
als "Ersatz" einzustufen. 
1 P. Dörfler, Film, Südd.Mon.-Hefte.Februar 1933, S. 268.
	        

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