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F. FILM ALS KUNST
I. Das Verhältnis Film - Theater
Die theoretisehe Beschäftigung mit dem Film und der Ver
such, ihn als Kunst zu erklären, hat viele Anlässe. Zu einer
Zeit, als der Film zu allseits beachteter eigenkünstlerischer
Gestaltung vordrang und auch gesellschaftliche Reputation er
langte, sahen die Anhänger des etablierten bürgerlichen
Theaters durch die Argumente, die das Kino zur zeitgemäßen
Kunstform erklärten, ihr bislang ungebrochenes kulturelles
Selbstverständnis zum Teil in Frage gestellt. Je nach dem
Grad ihrer Irritation und der Stärke ihrer Argumente polemi
sierten sie gegen das Kino oder versuchten eine Rechtferti
gung des Theaters in dieser Zeit. Sie gingen dabei zumeist
von herkömmlichen Wertungskriterien des Theaters aus, die in
der Mehrzahl der Beispiele nicht strukturell, sondern kul
turphilosophisch begründet waren und die Bedingungen des
Theaters zur Grundlage der Beurteilung machten. Sie gerieten
daher in das Dilemma, weder den Film, wenn sie ihn angriffen,
nach seinen eigenen Möglichkeiten beurteilen zu können, noch
dem Theater, wenn sie es verteidigten, nach den Erfordernis
sen der Zeit gerecht werden zu können. Die Argumente, die
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das Kino zur adäquaten Kirnst der Gegenwart erklärten und an
denen sich auch ein neues Selbstverständnis des Theaters hät
te orientieren müssen, wurden ja gerade von der kulturphilo
sophischen Kritik bürgerlich-konservativer Kreise abgewiesen.
Der Grund, der die Autoren seinerzeit veranlaßt haben
könnte, das Verhältnis Theater - Film zu untersuchen, mag in
einem elementaren Interesse zu suchen sein, der neuen Kunst
eine Ästhetik zu geben und deshalb die filmeigenen Gestal
tungsmittel zu eruieren und den Film von anderen Ausdrucks-
1 Vgl. Kap. D.I. 33 und D.II.b).
2 Vgl. Kap. D. II. b. - Es genügt im folgenden auf ein Bei
spiel einzugehen, das alle Einwände zusammenfaßt; ansonsten
wäre es Aufgabe einer Untersuchung über das Theater jener
Zeit, die Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche ideolo
giekritisch zu untersuchen.

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