8
Gesinnung einen großen Teil der deutschen Bevölkerung kenn
zeichnete. Diese aufklärungsfeindliche Haltung wird von der
NS-Führung als herrschaftstechnisches Mittel in Dienst genom
men, um als Überbau die ganz realistisch betriebene und ziel
strebig auf die Errichtung des utopischen NS-Staats gerichtete
''j
Imperialismuspolitik zu kaschieren. In der Konsequenz, mit
der das betrieben wird, zeigt sich eine bis dahin nicht ge
kannte Methode der Durchführung, bei der zwar alles Undurch
schaubare, Verwirrende und Unmethodische dienstbar gemacht
wurde, die aber zugleich verbietet, das "Wesen" des National
sozialismus als irrational zu bezeichnen. Aus diesem Grunde
finden sich in den untersuchten Texten innerhalb eines be
stimmten Rahmens konservativer Gesinnung recht unterschiedli
che Meinungen über das "Wesen des Nationalsozialismus", so
daß ihn heute viele Interpreten mit Luk&cs als "eine eklekti-
p
sehe Synthese aller reaktionären Tendenzen" glauben bezeich
nen zu können. Das möchte ich jedoch bloß für die Zeit der
"Friedensjahre" gelten lassen, die von den Nazis selbst nur
als Übergang, als "Vorbereitung auf den stets ins Auge gefaßten
Krieg" und die Errichtung des NS-Imperiums verstanden wurde,
1 Darauf wies schon G. Lukäcs, Die Zerstörung der Vernunft,
recht frühzeitig hin, dessen Ansicht, der deutsche "Faschis
mus tritt das gesamte Erbe der reaktionären Entwiclung
Deutschlands sin", zwar sinngemäß von vielen heutigen Auto
ren übernommen wird, dessen Pointe im 2. Teil des Satzes
aber meist unterschlagen wird: "und benutzte es, um einen
bestialischen Imperialismus nach innen und außen zu begrün
den!" (G. Luktics, Die Zerstörung der Vernunft, zit. nach:
ders., Von Nietzsche bis Hitler, S. 233) - Vgl. zu dieser
These auch: K. D. Bracher, Stichwort "Nationalsozialismus",
in: Staat und Politik (= Das Fischer Lexikon, Neuausgabe,
Band 2), S. 202—210, bes. S. 209.
2 G. Lukics, Von Nietzsche bis Hitler, S. 232.
3 Aber auch hier muß man Einschränkungen machen; man denke an
die Opposition gerade aus streng konservativen Kreisen.
Vgl. dazu H. Rothfels, Die deutsche Opposition gegen Hitler,
Tübingen 1958, neue erw. Ausgabe Frankfurt 1969 (Fischer
Bücherei, Bd. 1012).
4 W. Hofer, Der Nationalsozialismus, S. 170.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.