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drucksqualitäten zu machen. Jede Vernachlässigung handwerk
lichen Könnens, sofern es nicht funktional eingesetzt war,
wäre - als ästhetischer Mangel gebrandmarkt - einem staat
lichen Verdikt zum Opfer gefallen und hätte nie die Möglich
keit gehabt, als eigene Qualität wirken und erstarrte ästhe-
tische Fronten einreißen zu können. Die bevorzugte Verfil
mung historischer Stoffe eignete sich zwar am ehesten für
eine Gestaltung unter diesen Auflagen, war aber nicht dazu
angetan, die Bevölkerung mit den Problemen der Gegenwart
oder der Zukunft vertraut zu machen. Die Indienstnähme die
ser neuartigen künstlerischen Ausdrucksform Film kaschiert
auch hier nur die Konservierung regressiven Gedankenguts und
die Tatsache, daß eine Parteiclique mit Hilfe der Kunst die
Masse des Volks in Unmündigkeit und Abhängigkeit hält. Fort
schrittlich konnte die gewünschte Kunst grundsätzlich nicht
sein, da sie sich am herrschenden Geschmacksurteil orientie
ren mußte. Sie konnte nur reproduzieren, niemals aber in
Frage stellen. Einen gesellschaftlichen Irritationseffekt
hatte diese intendierte Kunst ebensowenig wie einen gesell
schaftspolitisch progressiven Erziehungsauftrag, der ihr
eigentlich zugedacht war.
»ft.
1 Man denke dabei heute an die anfängliche Abneigung gegen
Produkte der Nouvelle Vogue oder an die Empörung über
Undergroundfilme, die gerade die so geschätzten handwerk
lichen Qualitäten - z. T. aus Gründen einer authentische
ren Darstellung, z. T. um sich von ästhetischen Konventio
nen zu emanzipieren - vernachlässigen mußten.

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