"Wir hätten in Zukunft nicht mehr das Hecht, von einer
deutschen Pilmkunst zu sprechen, würden wir nicht auch
auf die Gesetze der Filmkunst die seit jeher gültigen
Gesetze für die Kunst im allgemeinen anwenden. Denn
diese Gesetze sind ewig. Sie wandeln sich zwar in ihren
Nuancen je nach der Struktur der jeweiligen Kunst,ihre
Grundsätze aber bleiben bestehen, und sie gelten nicht
nur für Malerei und Architektur, für die Dichtung und
Theaterkunst, sondern in gleichem Maße für die Film
kunst; es ist um so notwendiger, sie auf diesem Gebiet
rücksichtslos zu verfechten, weil es sich ja bei der
Filmproduktion um die jüngste Kunst handelt und weil es
deshalb geboten erscheint, hier Grundsätze aufzustellen,
die notwendig sind, um den Filmschaffenden die nun ein
mal gegebene und gebotene Richtung zuzuweisen.
Die allgemeinen Ausführungen über die Kunst sollen dann
im einzelnen angewendet werden auf das, was wir Film,
Filmindustrie und Filmkunst nennen.
Die propagierte Abhängigkeit der Kunst vom Können war
durch ihre Trivialität geeignet, sowohl diese Kunstideologie
als auch die entsprechende Kunstpraxis dem Regime dienstbar
zu machen. Ein derartiges Kunstverständnis gab Kriterien an
die Hand, die jedem eine Wertung ermöglichten und das Gefühl
vermittelten, an der Diskussion um Kunst beteiligt sein zu
können. Die Qualität des "Könnens", das an handwerklichen
Merkmalen gemessen werden konnte, gab aber zugleich auch der
Zensurbehörde die Möglichkeit, die Aufführung politisch un
bequemer Werke mit scheinbar sachlichen ästhetischen Gründen
verbieten zu können.
Ein solches Kunstverständnis gestattete, in der Kunst
stets nur das zu gestalten, was im Horizont des von der Ideo
logie projektierten Weltentwurfs lag. Es erreichte nie die
die Kunst erst eigentlich auszeichnende Transzendierung ge
genwärtigen Bewußtseins kraft ihrer ästhetischen Mittel und
ihrer Dialektik von Form und Inhalt. Die propagierte Abhän
gigkeit der Kunst vom Können mußte in der künstlerischen
Praxis im NS-Staat zur Stagnation im Ausdruck führen, da es
nicht möglich war, Aussagen durch eine Veränderung der Aus-
1 J. Goebbels, Rede, in: JbHFK 37, S. 61

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