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logie, den ich als realpolitisch bezeichnen möchte. Er steht
im Gegensatz zum Kunstverständnis der Völkisch-Konservativen,
die der in der Kunst sich äußernden "Gesinnung" größeren
'l
Wert beimessen als handwerklicher Meisterschaft und dabei,
aus der Perspektive sozialer Wirkung betrachtet, der politi
schen Romantik, künstlerisch aber dem Dilettantismus zunei
gen.
Dem widerspricht nicht Goebbels' Äußerung vom 28. März
1933 über Filme, die "einen unauslöschlichen Eindruck" auf
ihn gemacht hätten. Dort sagt er von dem russichen Revolu
tionsfilm "Panzerkreuzer Potemkin":
"Er ist fabelhaft gemacht, er bedeutet eine filmische
Kunst ohnegleichen. Das entscheidende 'Warum?' ist die
Gesinnung. Wer weltanschaulich nicht fest ist, könnte
durch diesen Film zum Bolschewisten werden."2
Unmittelbar danach gibt Goebbels zu verstehen, welche Be-
deutung er handwerklichem Können und dramaturgischem Ge
schick zuschreibt. Sie bilden für ihn die Grundlage jeder Be
wertung. Der Grad ihrer Perfektion, nicht aber die durch sie
vermittelte "Gesinnung", entscheidet seiner Ansicht nach
über den Wert eines Kunstwerks.
"Dies beweist, daß Tendenz sehr wohl in einem Kunstwerk
enthalten sein kann, und auch die schlechteste Tendenz
ist zu propagieren, wenn es eben mit den Mitteln eines
hervorragenden Kunstwerkes geschieht.
1 Vgl. U.-K. Ketelsen, Heroisches Theater, S. 54-.
2 J. Goebbels, Rede vor den Vertretern des deutschen Films
am 28. März 1933» masch.
3 Von den vielen Stellen, an denen er darauf hinweist, Kunst
komme von Können, sei hier nur seine kurze Ansprache bei
der Grundsteinlegung zur deutschen Filmakademie erwähnt.
Dort lautet die erste seiner "drei Erkenntnisse": "... daß
die Kunst mehr mit Können als mit Wollen zu tun hat."
(J. Goebbels, Weiheworte, in: JbRFK 38, S. 162). -
4 J. Goebbels, Rede vor den Vertretern des deutschen Films
am 28. März 1933, masch.

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