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nischen Charakter, den Kunst in einem total verwalteten und
ideologisch einseitig ausgerichteten Staat einnehmen konn
te; die Art der Realisierung zeigte aber auch die Misere
der obersten Naziführer, die sie mit ihren Forderungen nach
nationalsozialistischer Kunst erleben mußten. Weder die Idee
eines utopischen NS-Staats noch die den Erfordernissen der
Tagespolitik angepaßte Darstellung ihrer ideologischen Po-
stulate sahen sie in der Filmkunst zufriedenstellend gestal
tet. "Als Goebbels im Tischgespräch auf Karl Ritters Werke
als 'gute nationale Filme' hinwies, antwortete der gereizte
Hitler laut Rosenberg: 'Ja, einige allgemein-patriotische,
aber keine nationalsozialistischen.' In einer Tagebuchnotiz
Rosenbergs vom 8. März 19^0 wird eine 'feste innere Ausrich
tung in dieser Zeit' vermißt: 'Dr. Goebbels, der soviel von
geistiger Kriegsführung spricht, kann vielleicht innerhalb
von Levantinern den richtigen Ton finden, nicht aber im
deutschen Volk. In der Film'brauche' wahllos proenglische
Filme, schon als der Konflikt vor der Tür stand ('Lied der
Wüste'), .jetzt dick auf getragen proirische Fasson ( 1 Fuchs
von Glenarvon'). daneben widerliche Probleme zwischen Vater
und Tochter ('Weg zu Isabell 1 ). Ein Mixtum compositum wie
'Befreite Hände' gilt als wirkliche Kunst und Nachahmung
^
von Vorkriegs-Paris."
b) Tendenz
Daß die an den Film gestellten Forderungen in der Praxis
von den Künstlern nicht verwirklicht wurden, kann nicht al
lein mit mangelnder Begabung der Autoren und Regisseure er
klärt werden (wie es etwa Ketelsen bei den Dichtern für die
Dramenproduktion annimmt). Abgesehen von den äußeren Re
striktionen, den Rücksichten auf die Tagespolitik und den
innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Hitler,
Goebbels und Rosenberg über die Durchführung des Programms, 1 2
1 E. Leiser, "Deutschland, erwache!", S. 11 f.
2 U.-K. Ketelsen, Heroisches Drama, Bonn 1968, S. 38. -
Vgl. dazu £ap.F.I.c)dieser Arbeit.

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