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für alle Schichten der Bevölkerung sein zu können. Schließ
lich wird die gesellschaftliche Hierarchie bestätigt, wenn
Bischer sagt, der Bilm solle nicht nur einer "gewissen
Oberschicht, sondern auch (!)" der arbeitenden Bevölkerung
dienen.
Auch Goebbels bestärkt die Auffassung, daß es dem Natio
nalsozialismus durchaus nicht auf sozialistische Gesell
schaftsform auf nationaler Grundlage ankomme und gibt der
Kunst die ihr gemäße Holle in diesem Programm:
"Aber diesen Menschen bleibt das hohe Bewußtsein, in
der Kunst die große und gütige Trösterin ihres Le
bens gefunden zu haben. Niemand, der in sorgenvollen
und quälenden Jahren seines Lebens der Kunst diente,
möchte sie aus seinem Leben wieder missen; denn sie
ist das einzige Element, das ihm das Leben lebenswert
gestaltet."'
Das implizierte Zugeständnis, die angestrebte Gesell
schaftsform sei potentiell so unmenschlich, daß die Kunst
als der einzig positive Baktor in ihr sie erträglich macht,
kennzeichnet nicht nur die heroische Weltanschauung des Na
tionalsozialismus im allgemeinen, sondern auch den Bereich
der Kunstanschauung im besonderen. Der erholsame Charakter
der Kunst tritt nur beim Rezipienten in Erscheinung, den
Produzierenden muß auch sie — darin wird ihre Größe und
seine wahre Legitimation als Künstler gemessen - nach natio
nalsozialistischem Verständnis gnadenlos vernichten:
"öie Kunst ist nicht leicht. Sie ist unerbittlich
hart und manchmal grausam. Sie fordert und verbraucht
den ganzen Menschen, und sie wirft den verbrauchten
Menschen zum alten Eisen; sie zieht aber wieder neue
Menschen an sich, um sie aufs Neue zu verbrauchen."2
Die Aufgaben, die dem Bilm im politischen Programm ge
stellt wurden, und die er auch, vor allem im Genre des "un
politischen" Unterhaltungsfilms, gerade in den Kriegsjahren
1940, 194-3, 1944 wahrnahm, offenbarte den herrschaftstech-
1 J. Goebbels, Rede, in: JbRBK 37, S. 85.
2 Ders., ebd.

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