den Ursachen oder aber der Absicht dieser "Offenheit" nachzu
spüren. Zynisch ist sie erst in dem Moment geworden, als die
se Haltung die der Herrschenden wurde, die keine andere mehr
tolerierten, aber durch ihre "Offenheit" den Anschein morali
scher Aufrichtigkeit erweckten und so taten, als sei ihr
Standpunkt einer unter vielen anderen, deren Vertreter sich
nur scheuten, ihn offen auszusprechen. Erst seit diesem Mo
ment, seit der totalen Unterdrückung jeder Alternative, ist
diese Ausweisung der eigenen Position ideologisch und damit
herrschaftstechnisch relevant geworden. Die Alternative, die
in diesen Beiträgen angesprochen wird, findet sich stets nur
im Ausland oder in Deutschlands Vergangenheit. Die "Ausein
anderset zung", die mit der Gegenseite stattfindet, ist immer
nur der Führungsclique Vorbehalten, die allein im Besitz von
Alternativ-Informationen ist und durch ihr FührungsSystem die
Bevölkerung in Unmündigkeit und Abhängigkeit hält. Ihr sind
die pragmatischen Schritte für die Realisierung des Fernziels,
p
die Errichtung des utopischen NS-Staats, allein bekannt. Die
ses imperialistische Fernziel ist als Fixpunkt der Maßstab al
ler theoretischen Überlegungen und praktischer Schritte.^ Ein
Teil dieses Programms und ein nicht unwesentlicher Faktor im
Herrschaftsgefüge ist nun die Propagierung des mit "Lebens
nähe" umschriebenen Irrationalismus, der Theorie- und System-
h.
feindlichkeit, die als Zeichen einer konservativ-bürgerlichen
1 Vgl. dazu Kap. E. II.
2 Vgl. dazu Kap. E. II. b)2.
3 Auf die starke innerliche Verbundenheit "der nationalsoziali
stischen Idee [...] mit einem imperialistischen Programm" und
die "Eroberung neuen Lebensraumes" als "Hauptaufgabe" der NS-
Außenpolitik wies schon W. Hofer, Der Nationalsozialismus,
Frankfurt 1957 auf S. 168 hin und stellte dabei als einen we
sentlichen Faktor heraus, was marxistische Autoren bereits
früher als bestimmend für die NS-Ideologie angesehen hatten:
"nämlich die militärische Erstarkung Deutschlands zur Inan
griffnahme der eigentlichen und nie aufgegebenen Ziele des
Nationalsozialismus" (S. 170).
4 Im Rahmen der Texte zur Filmtheorie werden diese Gedanken
in den Kapp.E. II. b) 3. diskutiert.

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