20?
Die seit der Machtübernahme eingetretene Stabilisierung,
von der Goebbels so gern sprach und die er der Unsicherheit
der Produktionsbedingungen in der Weimarer Zeit gegenüber-
stellte, war also nicht einmal für den linientreuen Partei
genossen garantiert. Das einzig halbwegs sichere Refugium,
wo man sich nicht direkt im kulturpolitischen Betrieb pro
nazistisch engagieren mußte und dennoch produzieren konnte,
war das Gebiet des unpolitischen Unterhaltungsfilms, in dem
mein unter Vermeidung aller formalen Ambitionen ungehindert
und erfolgversprechend saubere Handwerksarbeit leisten durf
te. Doch auch hier wurde man von dem total verwalteten Kunst
betrieb vereinnahmt und geriet ungewollt zum politischen
Aktivposten. Jeder "apolitische" Heimatfilm präsentierte dem
Zuschauer die Schönheit Deutschlands in der Absicht, die Be
reitschaft zu ihrer Verteidigung im Krieg zu wecken. Inso
fern ist Rabenalt entschieden zu widersprechen, der in den
Kategorien Landschaftsfilm, Artistenfilm, Musikfilm und Ge
sellschaftsfilm mit rein privaten Konflikten den "unpoliti
schen Film des Dritten Reichs" und damit ein Refugium für
innere Emigration sieht. Da keine Alternativmöglichkeit zur
Ideologie gestattet war, hatte auch gute Unterhaltungsware
kaum einen gesellschaftlichen Irritationseffekt und erfüllte
p
notwendigerweise eine vornehmlich affirmative Aufgabe, wie
politische Bazillus virulent zu werden? Worin unter
scheidet sich ein politisch verurteilter deutscher
Film dieser Ära, der allein der Rassengesetzgebung
Hitlers entspricht, ohne sie zu vertreten, z. B. von
einem südafrikanischen, der die "apartheid" - die ri
gorose Rassentrennung - als selbstverständlich unter
stellt? Wirklich nur die Tatsache, daß es sich in Ber
lin um diffamierte Weiße - in Johannesburg um diffa
mierte Schwarze handelt...?" (Rabenalt, Film im Zwie
licht, S. 19)
1 Vgl. J. Goebbels, Rede vom Mai 1933, masch.; ders., Rede,
in: JbRFK 37, 3. 81 f.; Lehnich, Eigengesetzlichkeit, in:
JbRFK 37, 3. 10-21.
2 Vgl. Rabenalt, Film im Zwielicht, S. 42 ff. - Vgl. auch:
J. Wulf, Theater und Film, S. 322. -
Eine Tabelle über das Filmangebot nach Sachgruppen bestä
tigt diese Meinung. In den Kriegsjahren, als sich die
drohende Niederlage abzuzeichnen begann, setzte eine ver-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.