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des des Stalinismus überhaupt nicht zu vergleichen.
Sogar die Rassengesetze wurden gelegentlich - aller
dings selten - zurechtgebogen, ebenfalls teils aus
staatspolitischen, teils aus privatpersönlichen Er
wägungen. Auch zu später Stunde des tausendjährigen
Reiches war im totalen Krieg des totalen Staates die
Kunst - vor.allem aber die Filmkunst - alles andere
« 4- ^4-r. 1 tl •
als total."
1 R. M. Rabenalt, Film im Zwielicht, München 1958, S. 7 f.—
Vgl. auch zum letzten Absatz: ders., ebd., S. 5^; die Hal
tung gegenüber dem "nichtarischen" Wiener Regisseur Fritz
Lang, den Goebbels und Hitler dazu ausersahen, den natio
nalsozialistischen Film zu kreieren, zeigt dies am deut
lichsten (vgl. dazu Kap.D.IV.b ). Vgl. dazu auch:C.Riess,
Das gab's nur einmal, S. 438 ff.; S. Kracauer, Von Cali-
gari bis Hitler, S. 108; vgl. auch: J. Wulf, Theater und
Film im Dritten Reich, S. 506: "Goebbels bemühte sich, die
Deutschland zurückzuholen und bot
lehnte ab."
Rabenalt versucht zwar, die Vielschichtigkeit des Problems
"unpolitischer Film" zu beleuchten, verkennt aber die Wir
kung offiziell geduldeter Kunst in einem totalitären Staat,
gleich welcher Absicht sie entspringen mag. Sein ansonsten
guter Ansatz, Filmgeschichte als Wirkungsgeschichte zu be
trachten, unterläßt allerdings die so wichtige Frage nach
dem jeweils herrschenden Interesse, das die Wirkung erst
bedingte.
"Auf den ersten Blick scheint der Begriff 'unpoliti
scher Film' eindeutig und unmißverständlich zu sein.
Eine sorgfältige Determinierung stößt jedoch auf un
erwartete Schwierigkeiten. Offensichtlich weist sich
ein Film als unpolitisch aus, wenn sein Inhalt, seine
Handlung, Haltung und Substanz keine politischen
Merkmale besitzt. Wie verhält es sich aber dann,wenn
dieser unpolitische Film seine Entstehung politischen
Interessen oder Erwägungen verdankt? Dies war - wie
bereits erwähnt - während des Dritten Reiches zu ge
wissen Zeiten der Fall.
Feststeht, daß der unpolitische Film schwimmende
Grenzen besitzt; daß ihn nur selten Drahtverhaue von
dem politischen Tendenzfilm trennen. [...] Wann und
wo ist klar zu scheiden? Ist ein unpolitischer Film
schon politisch, wenn er lediglich dem allgemeinen,
herrschenden Zeitgeist einer bestimmten politischen
Epoche entsprungen ist? Wann ist die zeit- und Ur
sprung sbe dingte Mentalität eines Filmes nur selbst
verständlicher Hintergrund, natürliches Milieu und
Klima? Von welchem Augenblick an werden die zwangs
läufigen Kennzeichen seiner Herkunft zur propagan
distischen Agitation und machen ihn zum Tendenzfilm?
Wann ist ein Film nur natürlicher Ausdruck seiner
Entstehungszeit und seines Entstehungsortes? Und wann
beginnt in diesem filmischen Zeitbild der eingekapselte

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