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"Und. es sei hier die Frage erlaubt, was hier für den
geistigen Arbeiter angenehmer und ehrenvoller ist:
seine geistige Arbeit dem nationalen Wohl eines ganzen
Volkes oder dem kapitalistischen Interesse einer klei
nen anonymen Geldclique unterzuordnen.
[ • • • ]
Das bezieht sich vor allem auf die Arbeit der Presse.
Wenn der Journalist im nationalsozialistischen Deutsch
land dem Staate, dem Volke und seinen Interessen
dient, so ist das eine ehrenvolle Aufgabe, die ihn dem
Soldaten oder dem Beamten berufsmäßig gleichsetzt. Da
der Journalist in demokratischen Staaten gewissermaßen
nur der Schreibkuli anonymer Kapitalmächte ist, kann
hier von einer ehrenvollen Aufgabe überhaupt nicht
mehr die Bede sein. Er muß das schreiben, was von ihm
verlangt wird, und der weiß nicht einmal, wer es von
ihm verlangt. Eine Freiheit der Presse existiert also
in der Demokratie nur auf dem Papier.
Die Freiheit des Geistes ist in den liberalen Staa
ten lediglich eine Fiktion, die ausschließlich dazu
dient, dem intellektuellen Pöbel einen Zustand zu
suggerieren, der in Tatsache gar nicht mehr vorhanden
ist."1
Der bewußt und offen herausgekehrte Interessenstandpuhkt
dieser Ideologie, deren praktische Durchsetzung von der
staatlichen Macht garantiert war, erlaubte Goebbels, die
Funktion von Kunst darzulegen und ihren Platz im Gefüge der
Ideologie anzumerken. Anders als in den vom Kapitalismus
strukturierten liberal-demokratischen Staaten, in denen je
verschiedene Arten von Kunst mit je verschiedenen Interessen
gruppen korrelieren, und im Gegensatz zur Kunstideologie
bürgerlich-konservativer und liberaler Kreise, die an die von
allen Interessen losgelöste Eigenständigkeit von Kunst glaub
ten, stellt Goebbels das Kunstverständnis der NS-Weltanschau-
ung dar als das einer Ideologie, die alle Lebensbereiche
•ihrem höchsten Ziel unterordnet.
3. Kunst als "Funktion des nationalen Lebens"
Die Kunst ist damit aus dem Reservat zweckfreien Daseins
in den Bereich herrschaftstechnischer Mittel gerückt.
1 J. Goebbels, Plädoyer, S. 120 f.

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