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tionale Selbstwertgefühl. Aus der unmittelbaren Gegenwart
des NS-Staats, der noch nicht mit kultureller Größe aufwarten
konnte, werden die politischen Maßnahmen angeführt, deren
vorgebliches Ziel es war,
"alle die Hindernisse und Hemmungen aus dem Wege zu
räumen, die einer organischen (l) und normalen Ent-,,
faltung des künstlerischen Lebens im Wege standen."
?
Die Erfolge der Innen- und Außenpolitik , die expressis
verbis in diesen Heden zur Kulturpolitik nicht genannt wer
den, aber dahinter stehen, lassen ihren Glanz auf die Kultur
politik überstrahlen und suggerieren, daß die getroffenen
kulturpolitischen Entscheidungen die richtigen seien und do
kumentieren die in der NS-Weltanschauung vertretene und nun
praktizierte Abhängigkeit beider Bereiche.
2. Zielprojektion und politischer Pragmatismus
Die Strategie ist klar: Errungenschaften des NS-Staats
werden als überdauernde Zeugnisse und deutlicher Beweis der
Stärke der eigenen Weltanschauung hingestellt, Leistungen
aus der Geschichte nur insofern, als es der politischen Kon
zeption dienlich ist; darin verrät sich der pragmatische Cha
rakter nationalsozialistischer Ideologie. Historisch Geworde
nes gilt aber, soweit es dem Programm der NS-Politik im Wege
steht, als dem Absterben nahe, als "Überbleibsel einer Zeit-
4
epoche", wie z. B. die Demokratie, die "schon den Fäulnis -
1 J. Goebbels, Hede, in: JbRFK 37, S. 63 - fast wörtlich
auch: ders., Kunstpolitik, Hede, in: Die Zeit ohne Bei
spiel, S. 211.
2 Nicht zuletzt trugen dazu auch die sportlichen Erfolge bei,
als Deutschland bei den Olympischen Sommerspielen in Ber
lin die Nation mit der größten Anzahl errungener Gold
medaillen wurde und dieser Sieg als ein Beweis der Überle
genheit der arischen Herrenrasse gewertet wurde.
3 J. Goebbels, Plädoyer, Hede, in: Zeit ohne Beispiel,S.118.
4 Ders., ebd., S. 122.

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