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daher wohl auf die Zeitumstände zurückzuführen und nicht auf
eine erklärte Theorie- und Systemfeindlichkeit, mit der der
p
"Nationalsozialismus" noch heute vielfach definiert wird.
Dieser Zug ist in den hier untersuchten Beiträgen nicht nur
nicht anzutreffen, sondern wird sogar ausdrücklich verworfen.^
Das stimmt überein mit einem Bild vom deutschen Faschismus,
wie ich es im Lauf der Arbeit gewonnen habe, und das sich un
terscheidet von dem, wie es in bürgerlich-konservativen Krei
sen heute noch herrscht.
Danach ist der "Nationalsozialismus" - zumindest auf dem
kulturellen Sektor, der hier vornehm!ich untersucht wurde -
nicht mit den gemeinhin betonten Merkmalen des Irrationalis-
IL
mus, der Theorie - und Systemfeindlichkeit hinlänglich zu
charakterisieren. Sie ausschließlich zu betonen, zeigt an,
daß die in dieser Art heute argumentierenden Autoren der NS-
Ideologie noch nachträglich aufgesessen sind. Diese Merkmale
1 Man bedenke, daß insgesamt kaum mehr als sieben Jahre zur
Verfügung standen. Erst seit ungefähr 1937 setzte eine tie
fergreifende Beschäftigung mit diesem Medium ein, das vor
her vom deutschen Bildungsbürgertum nicht für wert befunden
wurde, Gegenstand ernsthafter künstlerischer Überlegungen
zu sein. Seit Kriegsausbruch und vor allem dann seit der Er
klärung des totalen Kriegs gerieten diese Überlegungen über
dies in ein neues Licht und verstummten dann nach dem Jahre
1943 vollends.
2 Vgl. Anm. 4.
3 Vgl. Kap. C. - Zum Verständnis derartiger Äußerungen bei
Goebbels vgl. Kap. F. II. a),
4 Diese Ansicht über das Wesen des "Nationalsozialismus" kenn
zeichnet im allgemeinen ältere Werke konservativ-bürgerli
cher Haltung und ist derart verbreitet, daß auf Belegstellen
verzichtet werden kann. Viele solcher Stereotypen in akade
mischen Abhandlungen führt W. F. Haug, Der hilflose Antifa
schismus, Frankfurt/M. 1967, an. - Als Beispiel einer neueren
Arbeit aus der o. a. Richtung, die die vorangegangene konser
vative Literatur verarbeitet hat, vgl. U.-K. Ketelsen, Heroi
sches Theater, Bonn 1968 (S. 4: "[...] Irrationalität als
Grundhaltung dieser Weltanschauung, die sich jeder Systemati
sierung versperrt"). - Vgl. dazu auch Kap. B.

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