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und «egen seines mythischen Gehalts eine nie in Frage ge
stellte Einheitlichkeit vortäuscht, die höchstens auf eine
vor- oder frühkapitalistische Gesellschaft angewendet «er
den kann. Volk und Kunst in Korrelation zu setzen, «ie es
Herder für die Kulturphilosophie in Deutschland inaugurierte,
geriet aber bereits in der Spätromantik in die Nähe der
Ideologie, als der mythische Begriff "Volk" mit der in der
politischen Realität erstrebten "Nation" identifiziert wur
de. Vollends ideologisch aber wird die Verbindung beider
Termini in einer Gesellschaft wie der zur Zeit des "Dritten
Reichs" in Deutschland, deren mannigfache Gruppen mit ihren
verschiedenen Interessen auch ihre je eigenen Kulturen ent
falten. Die vom Nationalsozialismus propagierte Beseitigung
der Klassenantagonismen und die Deklarierung zu einer aller
konkurrierenden Interessen enthobenen sog. "Volksgemein
schaft" erlaubte, die Kunst aus dem sozialen Bereich, in
dem sie lebt, zu lösen und in einen mythischen (zurück) zu
versetzen. Sie wird dabei weder als je eigener Ausdruck be
stimmter gesellschaftlicher Gruppen verstanden, noch als
Leistung einer exzeptionellen Persönlichkeit und ganz und
gar nicht als ein völlig eigenständiger Bereich (das ergäbe
ja letzten Endes gerade die so verhaßte, weil vom "Volk"
isolierte l'art pour l'art), sondern pauschal als "Funktion
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des nationalen Lebens selbst", als Produkt dessen, was
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"künstlerisches und volklich.es Gewissen vorschrieb".
2. Reduzierung gesellschaftlicher Aspekte
Viele Schwierigkeiten, die sich also objektiv bei einer
erklärenden Beschreibung der jüngsten deutschen Kulturent
wicklung einstellten, entfielen für einen Nationalsozia
listen, da zumindest der Aspekt sozialer Bedingungen eigent
lich unberücksichtigt blieb. Denn falls derartige Hinweise
1 J. Goebbels, Kunstpolitik, S. 208; vgl. auch im Wortlaut
S. 209.
2 Ders., ebd., 3. 209.

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