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In diesem von sozio-kulturellen Konflikten beherrsch
ten Spannungsfeld büßten die auf Kunst gerichteten
staatlichen Hegelungsweisen ihren liberalen Verwal
tungscharakter ein. Das Laissez-faire-Prinzip machte
einem teils ungewollt, teils gewollt operativen Vor
gehen Platz."
Damit war die Basis gegeben, auf der die NS-Kulturpolitik
aufbaute. In der Verkündung dieses Programms strebte Goebbels
- nicht nur aus propagandistischer Notwendigkeit - zu einer
Simplifizierung dieser komplexen Situation. Durch eine ge
schickte Auswahl historischer Daten, eine neue inhaltliche
Bestimmung allgemeiner Begriffe durch die NS-Ideologie und
eine wirkungsvolle rhetorische Technik gelang es ihm in sei
nen Darstellungen des geschichtlichen Ablaufs, eine Konse
quenz vorzuspiegeln, die zu suggerieren imstande war, daß
man sich ihrer Zwangsläufigkeit nicht entziehen könne und
daß der NS-Staat die letzte Station auf dem Wege dieser Ge
schichte sei.
II. Die Funktionalität der Kunst im NS-Staat
"Eine der wichtigsten Errungenschaften der national
sozialistischen Kulturpolitik ist die neue Beziehung
setzung zwischen Volk und Kunst. Man vermag zur Zeit
die Auswirkungsmöglichkeiten dieses wahrhaft histori
schen Vorganges in der deutschenKulturgeschichte über
haupt noch nicht abzusehen. Das Schlagwort 'Die Kunst
dem Volke!' war zwar bereits im nachrevolutionären,
republikanisch-demokratischen Deutschland entstanden.
Es mußte aber unter den damaligen Verhältnissen immer
Parole bleiben, ohne innere Verpflichtung und ohne le
bendigen Inhalt.
Es war dem Nationalsozialismus Vorbehalten, diese
blasse Theorie zu einer realen Wirklichkeit umzugestal
ten. Damit wurden auch alle die besserwissenden Einwände
jener Skeptiker abgeschlagen, die da meinten, die Kunst
sei immer eine Angelegenheit der oberen Zehntausend von
Besitz und Bildung, und es könnte und würde niemals ge
lingen, sie in den breiten Massen des arbeitenden Volkes
zu verankern und heimisch zu machen.
Der Nationalsozialismus ist auch über diese Einwände
wie über so viele andere zur Tagesordnung übergegangen.
Er hat sich auch nicht damit begnügt, ein theoretisches
oder ästhetisches Programm kommender Kimstentwicklung
aufzustellen, im Gegenteil, sein Programm waren die

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