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Bezeichnend ist die Stellungnahme der NS- Filmge-
schichtsschreibung zu Längs Werk. "Metropolis" wird abge
lehnt, denn seine "Gegenüberstellungen wirkten aufreizend,
verschärften die Gegensätze und untergruben den Sinn für
das gemeinsame Schicksal, dem alle Teile eines Volkes glei-
-1
chermaßen verfallen sind". Seine übrigen Filme wurden bis
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auf zwei verschwiegen: "Der müde Tod" und die beiden Teile
der "Nibelungen". Man begriff das künstlerische Niveau die
ser Sagenverfilmung, schrieb es aber nicht den Herstellern
zu, sondern einer im Stoff wirkenden geheimnisvollen Kraft,
die sich nur des Regisseurs als Medium bediene, durch den
sie hindurchgehen müsse, um sich dann selbst in Bildfolgen
verwirklichen zu können. Einerlei, wie Regisseur und Pro
duzent weltanschaulich eingestellt waren, sie konnten "der
unbändigen Kraft des deutschen Waldes, der deutschen Burgen,
der deutschen Sagen keinen Abbruch tun. Sie wurden im Ge-
genteil von dieser Kraft mit hochgerissen.Goebbels' Mei
nung über die "Nibelungen" kennzeichnet wieder seinen gänz
lich anderen Standpunkt. Er führt im Gegensatz dazu den Er
folg der beiden Teile auf das handwerkliche Können der Re
giepersönlichkeit zurück, die es trotz der unzeitgemäßen
Vorlage verstanden habe, das Publikum zu packen und die Be
züge zur gegenwärtigen geistigen Situation sichtbar zu ma
chen.^
und mich zu meiner Umgebung in dauerndem Protest befun
den.
Was ich von ihm und für ihn [den Film] erwarte, erhoffe,
erkämpfe, kann man nicht aussprechen, nur erleben und
tun: das ist schon nicht mehr Liebe, sondern Fanatis
mus - ein Fanatismus, mit dem ich glücklicherweise nicht
allein auf dem Kampfplatz stehe. Ich bin die Frau von
Fritz Lang - mehr brauche ich Ihnen hoffentlich nicht
zu sagen.
Aus: Filmkünstler, Wir über uns selbst, hrsg. von
Dr. Hermann Treuner, Berlin 1928.
1 R. Oertel, Filmspiegel, 3. 137 f.
2 Vgl. dazu S. Kracauer, Von Oaligari bis Hitler, S. 57.
3 0. Kriegk, Der deutsche Film, S. 85.
4 Vgl. J. Goebbels, Rede, in: JbRFK 37, 3. 7. - Vgl.
S. 201 ff. u. S. 213 ff« dieser Arbeit.

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