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seine mangelnde kritische Distanz dem Stoff gegenüber und
der Hang, immer wieder das unentrinnbare Schicksal im Bild
2
auszudrucken, mußte dem politischen Pragmatismus eines
Goebbels geeignet erscheinen, diese handwerkliche Meister
schaft in den Dienst der NS-Ideologie zu stellen. Fritz Lang
hat selbst berichtet, wie Goebbels ihn gleich nach Hitlers
Machtergreifung zu sich kommen ließ; "... Er erzählte mir,
daß er und der Führer vor vielen Jahren meinen Film 'Metro
polis' in einer Kleinstadt gesehen hätten, und Hitler ihm
damals gesagt habe, er habe mich dazu ausersehen, künftig
*
einmal die Filme des Dritten Reichs in Szene zu setzen.
Es ist hier leider nicht der Ort, das Künstlertum Fritz
Längs und sein Verhältnis zur Ästhetik des Dritten Reichs
zu untersuchen. Es wäre gewiß lohnenswert, weil hier ein Fall
vorliegt, wo ein Mensch in seiner seelischen Gestimmtheit
und seinen künstlerischen Äußerungen prädestiniert zu sein
schien, den Ungeist des Faschismus so wirkungskräftig zu ge
stalten, daß er auch den strengen Maßstäben einer nichtnatio-
nalsozialistischen Kritik standgehalten hätte.
1 "Man fühlt sich bei Lang-MLmen niemals von den Vorgängen
der 'Handlung' gepackt, sondern von der 'Bildfolge', von
der Wucht des 'Bildeindruckes', von der Folgerichtigkeit
des visuellen Geschehens!" - F. Porges, Mein Film, Nr.123,
S. 11 f.
2 "Alle visuellen und akustischen Eindrücke führen die Hand
lung auf einem Wege, über dem die unerbittliche 'anankfe' der
griechischen Tragödie liegt. Jedes Detail bringt die Kata
strophe näher." - Lotte H. Eisner: "über den Stil von Fritz
Lang", in "Cinlaste", Heft 17, November 1953, S.6-9; Heft 1,
Januar 1954, S. 3-9- (Der Aufsatz erschien im Original in
der Zeitschrift "La Revue du Cinfema", Paris 1947) - Siehe
auch ihre Analysen der Lang-Filme, die vor allem die Funk
tion der Bildgestaltung berücksichtigen.
3 New York World Telegram, 11. Juli 1941, zit. nach:
S. Kracauer, Von Caligari bis Hitler, S. 108.
4 Hinzu kam, daß Fritz Lang mit Thea v. Harbou verheiratet
war, der renommiertesten Drehbuchschreiberin des Dritten
Reiches, die ihm in Deutschland alle Filme schrieb.
Th. v. Harbou: "Ich habe Pflanzen und Tiere - namentlich
Tiere - schon als Kind tausendmal mehr geliebt als Men
schen, was für eine frühzeitig entwickelte Intelligenz
spricht. Ich habe die Schule aus tiefster Seele verabscheut

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