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licherweise ebenso das Wesen des "Nationalsozialismus" haben
verkennen können wie noch heute viele ihrer Exegeten. Was
mich berechtigte, sie dennoch von der Textauswahl, die zur
Untersuchung stand, nicht auszuschließen, wird von einer an
deren Perspektive aus deutlich.
Ich war der Überzeugung, alle Texte über filmtheoretische
Fragen untersuchen zu müssen, ohne diejenigen vorher auszu
scheiden, die nicht in den Rahmen passen, den ein vorläufiges
Verständnis vom "Nationalsozialismus" bestimmt. Man ist auf
diese Weise in der Lage, jedem Beitrag seine Funktion zuzu
schreiben, die er im NS-Programm einnehmen konnte. Es kann
nämlich davon ausgegangen werden, daß keine Artikel, die sich
ausdrücklich dem "Nationalsozialismus” verpflichtet fühlen,
Gedanken enthalten, die.grundsätzlich der NS-Ideologie wider
sprechen, und daß alle übrigen Schriften, die publiziert wer
den durften, zumindest in das taktische Konzept paßten. Texte,
die man im Rückblick nicht als typisch "nationalsozialistisch"
bezeichnen würde, erweisen sich dann als ein Zeugnis dafür,wie
eine spezifisch bürgerlich-konservative Haltung die Autoren
zur theoretischen Mitbegründung der NS-Filmdramaturgie prä
disponierte, wenn ihre Verfasser sie auch "wertfrei" verstan
den wissen wollten und glaubten, sich auf diese Weise im tota
litären NS-Staat dem einseitigen politischen Anspruch genü-
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gend entzogen zu haben. Ihre Texte wirkten in diesem System
men mit den Autoren der linksengagierten Zeitschrift "Film
kritik" die ideologiekritische Methode für die Filmtheorie
in der Bundesrepublik ausbildete. Das ist bezeichnend für
die Einschätzung des Films unter beiden Regierungen.
1 Das exculpiert sie zwar moralisch von bewußter Mitschuld,
ihre Überlegungen haben aber durchaus zu einer theoreti
schen Fundierung des jeweiligen Fachgebiets im Sinne des
taktischen Programms der NS-Ideologie beigetragen. Ihre
Texte fügten sich vor allem dann nicht nur widerspruchs
los ein, sondern artikulierten sogar einige charakteristi
sche Züge der NS-Ideologie, wenn ihnen so bestimmte Züge wie
elitäre Massenverachtung und Bejahung des Führerprinzips
eigneten. Es wird in der Textanalyse jeweils darauf hinge
wiesen, wie sie diese Funktion trotz einer möglichen Di
stanzierung ihrer Autoren vom NS-Staat einnehmen konnten.

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