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während die Kulturpessimisten gerade diesen Streifen prie
sen und ihn - noch heute - als eines der wichtigsten Werke
der "siebenten Kunst" betrachten: hier sahen sie ihre Angst
vor der drohenden Versklavung des Menschen durch die Maschi
ne in beklemmender Weise gestaltet. - Goebbels mochte Längs
formale Begabung gespürt haben, unter dessen Segie sich Tau
sende von Statisten zu bildwirksamen Ornamenten formten, in
denen der Einzelne seine Individualität völlig verlor und im
Verband mit einer Vielzahl anderer zu einem Versatzstück im
optischen Arrangement des Regisseurs wurde.
einem Proletariermädchen in Christusgestalt den sozialen
Konflikt für ein paar Jahrtausende löst. Wir haben den
Sozialismus entdeckt und sind auf die Quelle aller so
zialen lind wirtschaftlichen Konflikte gestoßen. Wir sind
heute bis zur Politik als der Lehre und Erkenntnis vom
Schicksal des Menschen mit allen Verflechtungen zwi
schen Rasse und Blut und vielen anderen Tatsachen und
Gesetzen durchgedrungen. Deshalb können wir - natürlich
nur im rückwärtigen Blick - um so eher erkennen, welch
unermeßliche Gefahr mit diesem Film heraufbeschworen
war. Das trifft nicht die Hersteller des Films, das
trifft nicht die Darsteller, es trifft alle Menschen
dieser Zeit."
1 "In seinem Hang zum Ornamentalen ging Fritz Lang so
weit, daß er die Massen selbst da noch in dekorative
Muster zwängte, wo sie sich vor der Überschwemmung der
Unterstadt[in "Metropolis"] verzweifelt zu retten ver
suchten. Gerade diese Szenen, filmisch geglückt und
technisch meisterhaft, wie sie waren, drängten sich dem
menschlichen Gefühl als empörend aui."
(Siegfried Kracauer, Von Caligari bis Hitler, Hamburg 1958|
S. 97)
Fritz Lang zu den "Nibelungen": "... das Thema hat mich
persönlich interessiert, vom rein dekorativen Standpunkt
aus [...] Ich wußte genau, wie ich den Film stilisieren
wollte." Retrospektive Fritz Lang, Dokumentation, Bad Ems
1964, Teil I, 4 f/1.
Gregor/Patalas, Geschichte des Films, Gütersloh 1962,
S. 66 f.:
"Der Stoff gestattete ihm, Architektur, Kostüme und Dar
steller einer rigorosen ornamentalen Stilisierung zu
unterwerfen. Jede Spontaneität der Bewegung oder des
Ausdrucks ist aus diesem Film verbannt. Die gemessenen
Gesten und die starre Mimik der Darsteller, die Verwen
dung von Komparsen als architektonisches Ornament, die
strenge Ordnung des Atelier-Waldes, die mit Mander
bändern besetzten weißen Kostüme, die archaischen Hallen,

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